33
in das thätige Leben, um ihn auch da wieder in der Ehe, in derBeichte, in der Todesstunde zu überwachen. In der Kirche ver-langte sie von ihm, daß er sich des Gedankens und der Forschungbegebe, damit Einheit des Glaubens in der ganzen Menschheitherrsche. Den Staat würdigte sie in der Schätzung der Menschenherab, indem sie den Begriff des Vaterlandes unter dem der christ-lichen Einheit erstickte, der weltlichen Obrigkeit die geistliche Ein-setzung absprach, sich selbst die Obergewalt über die weltlichenHerrscher anmaßte, den Staat aller höheren Zwecke entkleidete undalle Ehren und Würden für die Kirche allein in Anspruch nahm.Diese ungeheuere Gewalt ward ausgeübt durch eine Priesterschaft,die ein Institut aristokratischer Selbstergänzung, die Priesterweihe,in sich abschloß gegen jeden Stand nach außen, gegen jede Ge-fahr der Veränderung, der Fort- und Umbildung nach innen;durch eine Körperschaft, die ein eigenes Recht und eine eigeneAmtssprache, ihre Bildung, ihre Ehelosigkeit, die Gemeinsamkeitund eigene Natur ihrer Interessen über jedes Band der Familie,der Gemeinde, des Staates und Vaterlands hinweghob; in derim Gegensatz zum Staate, durch ein Jahrtausend allgemeiner Un-gleichheit der Stände, der Begriff der menschlichen Gleichheit da-durch behauptet war, daß das Verdienst die Ehre hatte und nichtdie Geburt, daß die höchsten Stellen dem Bauer offen standen,wie dem geborenen Fürsten. Denkt man sich dann diese allgemeinekatholische Priesterschaft in unbedingter Abhängigkeit von demStatthalter Christi, der mit Gottes Willkühr und Unfehlbarkeitausgestattet war, so steht man wohl, wie nahe diese Macht nochso spät in den Zeiten bei dem Ziele stand, alles Staats- und Gei-stesleben nach einer engen hierarchischen Ansicht in einerlei Wegezu leiten; und man begreift, wenn man diese erneute geistlicheGewalt in gleichzeitiger Gemeinschaft mit der fürstlichen Absolutie,ja im engsten Einverständnisse mit dem mächtigsten neuen Fürsten-B-r»inui, Einleitung. 3