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überall ausgebildet hatten. Das Kaiserthum war in den mittlerenZeiten durch die übermächtige Aristokratie nnmächtig geworden,jetzt aber schien diese Aristokratie überall in gleichem Verfalle zusein; der römische Begriff der Fürstengcwalt, nach römischemRechte, ward auf allen Thronen, und so auch in Deutschland gel-tend gemacht. Unter Maximilian hörten die deutschen Stände zumerstenmale eine ganz neue Fürstensprache, als sich der Kaiser ge-legentlich auf seine Verpflichtungen gegen Oesterreich berief, umseinen Eiden gegen das Reich anszubengrn; sie mußten aufmerk-sam werden, was es mit dem Anwuchs dieses Oesterreichs aufsich hatte,-dieses Staates am Staate, einem einheitlichen Staate,der dem lockeren deutschen Staatsverbande ein - und angeschobenwar. Maximilian zwar, der jene Verbindung mit Böhmen undUngarn und die spanische Erbschaft nur erst in Aussicht hatte undimmer in Kriegs - und Gcldnoth war, konnte nicht eigentlich ge-fährlich werden. Dies ward ganz anders, als die kaiserliche Macht1519 in die Hände jenes Karl V. kam, der nicht lange vorher indie spanisch-burgnndische Erbschaft eingetreten war. Nie hatte dieWelt eine so furchtbare Macht in Einer Hand, und in der Handeines so machtgierigen Fürsten gesehen. Rom ließ in seiner Nach-sicht gegen Spanien auch die Kaiserkrone ohne Einrede an Karlübergehen, obgleich nach alten Bestimmungen der Besitz Neapelsnie mit ihr verbunden sein sollte. Herr über Spaniens, Bur-gunds und Neapels verbundene Macht verfolgte Karl nun dieburgundische Politik Karls deö Kühnen, Frankreich planmäßig zuschwächen. Er schob eS aus Italien hinweg und riß hier zu demBesitze Neapels auch Mailand an sich; auch dieß im Bunde mitdem Pabste, der des Kaisers guten Willen gegen das aufkom-mende Luthcrthum bedurfte. Erst dann regte sich die natürlicheEifersucht der päbstlichen gegen die kaiserliche Gewalt wieder, alsKarl nun Italien wie zu einer spanischen Provinz machte, indem
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