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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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Universal-

reich

Karls V.

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hause und als Herr und Meister in dem römischen Reiche deutscherNation fortschreiten sieht, daß zu keiner Zeit so sehr wie damals,im Anfange des 1<>. Jahrhunderts, die Frage auf der Spitze derEntscheidung stand, ob Europa unter den gleichmachenden Druckder Hierarchie oder der königlichen Unumschränktheit, ja unterihre vereinigte und zusammengeschossene Uebermacht gebeugt wer-den, oder einer volksthümlichen und freien Entwickelung entge-genreifcn sollte.

Diese Gefahr aber, die von Rom aus drohte, sollte, wiegroß sie war, von einer noch größeren überboten werden. Die-selben Ereignisse im Osten, die dem Ansehen des Pabstthumöneuen Vorschub geleistet und Spanien auf den Weg seiner Größegetrieben hatten, mußten in ähnlicher Weise nothwendig auch inDeutschland und den festländischen Gränzstaaten gegen die Türkeihin auf eine stärkere Konsolidation nach außen und innen hin-wirken. Während die spanischen Herrscher im Westen einen großenStaat auf feste, gleichartige nationale Bestandtheile bauten, legtedas österreichische Haus, das thatsächlich wie im erblichen Besitzdes Kaiserthums war, durch Familienverbindungcn den Grund zuder Vereinigung der ungeheuersten Ländermassen. Im Osten,wo dies ein dringendes Bednrfnß war, bereitete es den Zusammen-fall Böhmens und Ungarns mit Oesterreich vor; im Westen hatteMarimilian die Niederlande durch Heirath an sich gebracht, undsein Sohn wieder war mit der Erbtochter des großen spanischenReiches vermählt. Es lag nahe, daß das deutsche Kaiserthum inOesterreichs Hand, unter solchem Anwuchs, unter solchen Aus-sichten der österreichischen Hausmacht, nun auch seinerseits diealten weltherrschendcn Plane wieder aufnahm, die eS auf ein weitgrößeres Staatsgebiet stützen konnte als im Mittelalter, undauf die neue fürstliche Macht im Innern, wie sie die letzten Zeiten