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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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fremde Hände gab, auf dem Reichstage jeden Widerspruch ver-stummen machte und in die Freiheit der deutschen Reichsstädteeingriff, so vermaßen sich seine Höflinge zur Zeit des Interimslaut, dies Land, in dem sie Alles möglich glaubten, unter ihrenspanischen Gehorsam zu beugen. Noch war auch dies nicht derGipfel der Gefahren, die von diesem Manne aus die freien Ent-wickelungen der Welt bedrohten. Als er in Julius III zuletzt einwillfähriges Geschöpf seines Einflusses auf dem päbstlichcn Stuhlehatte und das tridenter Concil nach seinen Absichten lenkte, konnteer die kühne Aussicht fassen, die Kirchenreform, an der sich zweiJahrhunderte vergeblich abgemüht hatten, mit seinem Machtgebotedurchzuführen, die Hierarchie seinen weltlichen Zwecken unterzu-ordnen und ihre geistigen Kräfte neben einem ergebenen Bcamten-und Kriegsheere sich dienstbar zu machen. Was schien damals,wo das Kaiserthum auf den zwei gewaltigen Grundlagen derOberherrschaft in der Christenheit und der Nnnmschränkthcit derCäsarcn, auf jenen vereinigten altrömischen Ideen, neu begründetwar, diesem Manne unmöglich zu sein! Hätte er diese Macht biszu seinem Ende behaupten und die spanische Erbfolge in Deutsch-land einführen können, oder wäre es ihm gelungen, jenen anderenPlan auszuführen, nach welchem, als die Vermählung seinesSohnes Philipp mit Maria von England zu Stande gekommenwar, die verbundenen spanisch-österreichisch-burgundischcn Häu-ser, in drei Linien getheilt, die Welt besitzen sollten, wie nahe lagda die Gefahr, daß römische Bigotterie und spanische Knechtschaftganz Europa unterdrückt hätten, und daß die Zustände allgemeingeworden wären, die Spanien und Italien ins Mittelalter zurück-warfen und dort, trotz allen Erschütterungen, bis auf unsereTage fortbestanden haben.