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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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G-g-nschl-ig Aber ehe diese letzten sichernden Plane Karls V., ausgeführt,Pabstch'mu ^ Theil ^ gefaßt waren, war bereits nicht nur seinK-Üsktthum. Wxxk, sondern auch das stolze Gebäude der römischen Herrschaftin Deutschland mit Einem Schlage zerstört. Die Eifersucht beiderGewalten gegen einander wirkte auch jetzt wie im Mittelalter einGroßes zur Brechung ihrer Uebermacht hinzu; das Wesentlichethat auch jetzt wie früher die innere Unverträglichkeit zwischen deut-scher und römischer Natur. Wissenschaft und Leben, Bildung undRohheit, Sitte und Leidenschaft, geistige Freiheit und Fanatis-mus, Nationalsinn und Anarchie, alle verschiedensten Eigenschaf-ten der Menschen, die Interessen aller Stände von unten undoben, die kirchlichen und staatlichen, die Interessen des KönigSwie des Bauern, der ganze Genius des Volks in Deutschlandlehnte sich auf gegen die doppelte südländische Unterdrückung. Esist in bescheidenen Formen eine Geschichte von dem stolzesten In-halte, die Geschichte von den Tagen an, wo Luthers Kühnheitund Tiefe in Deutschland auf dem kirchlichen Gebiete den Geisterweckte, und nicht allein des Pabsteö äußeres Leben angriff, son-dern auch seine Autorität und, was des Reformators Stolz war,seine Lehre, und mit ihr die stärkste Säule seiner Macht, denWahn und Aberglauben, niederwarf, bis dahin, wo Moritz vonSachsen auf weltlichem Gebiete den Kaiser mit seinen eigenenKünsten schlug und die Entwürfe und Mühen von Jahrzehnten inwenigen Tagen vernichtete! Die Geschichte machte in diesen Be-wegungen einen Schritt vorwärts, wie er in mehr als einem Jahr-tausend nicht gethan war, auf einem so weit aussehenden Wege,daß die Menschheit mehrere Jahrhunderte gebraucht hat, ehe siesich vollständig zurccht fand und des damals errungenen Besitzesfroh und bewußt zu werden anfing.