der Kräfte richtiger an, daö die damalige Zeit an das große Werkzu setzen hatte, und der anderen, die künftige Zeiten noch würdendaran setzen müssen. Indem er die apostolische Mission der katho-lischen Kirche angriff und mit ihr die Unfehlbarkeit des PabsteSund die Scheidewand zwischen Laien- und Priesterstand umwarf,indem er die Lehre vvm Abendmahl und mit ihr den Gottesdienstreinigte, die Scheinheiligkeit der Werke anfocht und seine Lehrevon der Rechtfertigung durch den Glauben entgegensetzte, auf dieHeiligung der Gesinnung drang und die finsteren Schrecknisse vonFegfeuer und Fasten, von Beichte und Büßungen tilgte, durch dieuns die katholische Kirche „abermals fürchten" machte, so lag darinin der That schon die ganze Saat dessen, was Calvinisten undPuritaner aus der evangelischen Lehre mit der Zeit entwickelt ha-ben. Aber diese Entwickelung in der Zeit wollte Luther nicht durcheine flache Treibhausbildung für den Augenblick gefährden. Ihmgalt es nicht um rasche, sondern um sichere und dauernde Erfolge.Er wollte den Dingen keine Gewalt anthun; er hat es in vielenBeispielen, den Zwickauer Jnspirirten, den Karlstadt und Zwin'gligegenüber oft merken lassen, daß er für das Vernünftige in ihrenNeuerungen nicht stumpf, aber gegen das tumultuarische „Zuweit-greifen der Enthusiasten" (das pereumpsa,u8 Zwingli's) unerbitt-lich war. Er sah für Vieles seine rohe Umgebung nicht reif undnicht vorbereitet; er wollte über Anderes die Meinung der Men-schen sich erst gestalten lassen; er wollte Gott und der Zeit sein»begonnenes Werk anheimgeben.
Ar^erlauf Zeit hat auch den Verlauf der kirchlichen und staatlichen
n Veränderungen, zu denen Luthers Lehre den Anstoß gab, nichts
weniger als übereilt. Sie hat ihn vielmehr so tief und gründlich,
Ältern!' so stet und regelmäßig gestaltet, daß in ihm jenes Gesetz allervollkommenen, historischen Entwickelung, das oben angegeben