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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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49
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wurde, leicht entdeckt und zwanglos zur Uebersicht und Ordnungder Thatsachen angewendet werden kann. Die reformatorischenIdeen schufen sich erst in Deutschland und England einen monar-chischen Körper in den Gestaltungen, die Staat und Kirche unterLuthers und Cranmers Einflüssen annahmen; sie hatten dann imWesten Europa's eine aristokratische Phase im Calvinismus,und fanden in dessen puritanischen Fortbildungen ihre demokra-tische Entfaltung, vorübergehend in England und auf die Dauerin Amerika.

Monarchisch war der Charakter der lutherischen Reformationschon durch ihre Widersetzlichkeit gegen die demokratischen Grund-"härmen''sätze ver Freigeister jener Zeiten, die die Satzungen in Politik und Träumers"!'»Religion auf ein natürliches Recht zurückführen und die Besinn-A"Euä!a!!d.mung darüber der volkshcrclichen Mehrheit zuweisen wollten.

Luther setzte den positiven Buchstaben der Schrift denen entgegen,welche die Vernunft allein zum Gesetzgeber machen wollten, und- warf die symbolischen Bücher als einen Wall gegen die Wieder-täufer, gegen die selbst Zwingli und Calvin eine abwehrendeStellung einnehmen mußten. Mau schalt dies unter den Resor-mirten einen neuen papiernen Pabst, aber die reformirte Kircheselbst entging der Nothwendigkeit keineswegs, der Bewegung derGeister einen solchen Haltpunkt zu geben, weder in der Schweiznoch in den Niederlanden. Die Autonomie des Volks in Glau-benösachen ward erst möglich, als Duldsamkeit allgemein wurde.

Dafür waren die Menschen damals nicht reis. Brachen doch nochnach hundert Jahren, gerade zur ersten Jubelfeier der Reforma-tion, über den ganzen Welttheil hin die wildesten Bacchanaliendes unduldsamen Hasses und die Anfänge eines dreißigjährigenReligionskrieges aus! Luther stand daher bedenklich stille sogar vordem Gedanken der Einführung einer prcöbyterialen Verfassung,

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