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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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limg, die durch das Herkommen in der Ration gewurzelt war,damals nicht durch ueue Verträge wäre gefestigt, der ueue Glaubenicht durch die Ermüdung in fruchtlosen Kämpfen in seinen Rech-ten wäre erhalten, die Nebenbuhlerei Frankreichs gegen Oester-reich nicht neu wäre geweckt worden, so hätten die Erfolge Lud-wigs XIV . in Staat und Kirche Oesterreich zu neuen Versuchender politischen und religiösen Einherrschaft in Deutschland ge-spornt. Deutschland hätte mittelbar durch Oesterreich den despo-tischen Einfluß der französischen Politik, nicht unmittelbar in sei-nen kleinen Staaten den freien Einfluß der französischen Literaturerfahren; es hätte mit Oesterreich einen einheitlichen Gang, abernothwendig den Rückgang getheilt, der in Oesterreichs inneremStillstände gelegen war, während die neue geistige Bildung des18. Jahrhunderts, die nach Oesterreich wenig Eingang fand, demgetheilten Deutschland eine gänzliche Verjüngung seines nationa-len Lebens verhieß.

Ganz die ähnliche dem Katholicismus günstige Reaktion, die WUnseit Heinrichs IV. Tode in Frankreich und Deutschland Statt PManu»-hatte, rief der Calvinismus auch gleichzeitig in England her-""^and^vor. Auch England war durch seine Reformation in fortwährendeKollisionen mit den katholischen Mächten gekommen und wurdedurch sie aus den Weg seiner Größe gerissen. Es war unter denbürgerlichen Tudors, wie alle germanischen Staaten, ganz aufinnere, friedliche Entwickelung gestellt, aber schon die zufällige -Einführung der Reformation unter den sinnlichen Launen Hein-richs VIII. führte zufällig auch (durch die Ehescheidung von derspanischen Katharine) zu einer Spannung mit Spanien, das seit-dem nicht aufhörte, mit Intriguen, mit Heirathsplanen, mit Kriegund Gewalt England nachzustellen, wie es Frankreich nachstellte.

Der römische Stuhl wetteiferte in dieser Feindseligkeit mit den spa-