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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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den, mit der man die staatliche und kirchliche Verfassung in Eng-land und den Colonicn umzustürzen dachte. Ehe dem Könige einSohn geboren war, trug er sich mit dem landesverrätherischenAnschlage, im Fall einer protestantischen Nachfolge Irland abzu-reißen und unter den Schutz Ludwigs XIV. zu stellen. Aber nocheinmal siegte die gute Natur des Volkes, in dem der Protestantis-mus und die Freiheitsliebe anders gewurzelt war, als in Oester-reich und Frankreich. Alle Stände und Parteien einten sich gegenJakob, und Wilhelm von Oranien, von den Ersten der Nationgerufen, verdrängte die schädliche Dynastie ohne Mühe. AberNiemand erhob sich nun wieder, selbst nach diesen Erfahrungen,gegen das Königthum, obgleich der Hersteller nur der Vorstandeines Freistaats war. Niemand in England wollte ferner Handan die Hochkirche legen, obgleich Wilhelm III- ein Calvinist war.Niemand verlangte nach der Republik zurück, obgleich die Freiheitaus einer Republik zurückgebracht ward, deren Ruhm damalsgrade die glänzendste Monarchie der Welt überstrahlte. Vielmehrbehielt die hergestellte und geläuterte Verfassung ihren wesentlicharistokratischen Charakter. Und dies war natürlich in einer Zeit,wo in Folge der größten staatlichen und kirchlichen Reaktionen derAdel, von Spanien bis nach Polen und Schweden hin, in allenReichen ein neues Ansehen, fast seine frühere verlorene Stellungwieder erworben hatte. Es war natürlich in einem Lande, woAdel und Geistlichkeit bei dieser zweiten Revolution das wesent-liche Verdienst hatten. Sie mißbrauchten es darum nicht beider Neubegründung der Verfassung zu oligarchischen und aus-schließenden Eigenzwccken. Der englische Staat stellte vielmehrdamals das große Musterbild der gemischten Verfassung neuererZeiten auf, deren größter Preis von seinen größten Staatsmän-nern (Pitt) darin gesucht ward, daß sie aus Monarchie, Aristo-

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