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Schaden und Gefahr; nach 1688 kehrten die einzelnen Staatenin ihre früheren Ordnungen zurück. In diesen ersten mannichfal-tigen Schicksalen der Calvinen ist eö überall augenfällig, daß diefreie Bewegung, die demokratische Entwickelung nur aus demGrunde gedieh, weil ein Theil der hemmenden Bestände in Staatund Kirche, wie Hierarchie und Aristokratie, aus Europa nichtherüberreichte, und daß sie nur in dem Verhältnisse gedieh, alsein anderer Theil dieser Bestände, die monarchische Gewalt, sichgeltend zu machen keinen Anlaß oder Gelegenheit fand. Daß aberder republikanische Geist der Kolonisten diese Gewalt nicht längerertragen werde, als ihnen die Macht zur Unabhängigkeit fehlte,das sahen denkende Männer schon im Ansänge des 18. Jahrhun-derts voraus. Damals war die Demokratie schon durch Gewohn-heit und Kämpfe befestigt, die bereits in den Grundsätzen derersten Einwanderer gelegen war. Die Puritaner waren der kirchli-chen und staatlichen Tyrannei in Europa absichtlich entflohen; siekamen in der Meinung nach Amerika, 'ihrem Mutterlande kein ausder Entdeckung hergeleitetes Besitzrecht auf ihr erkauftes Eigenthumzuzugestehen; sie kamen mit dem Anspruch, mit dem Mutterlande,wie einst die griechischen Pflanzstädte, nur eine allgemeine freieVerbindung aufrecht zu halten; sie kamen mit dem Widerwillengegen jeden Eingriff in ihr Regiment, gegen jede Bestimmungüber ihre Religion, gegen jede Gesetzgebung eines fernen, vonihnen nicht beschickten Parlaments, gegen jede Abhängigkeit ihrerGerichtsbarkeit von entlegenen Autoritäten. In Massachusets sahman daher schon l646 das Verhältniß zu England so an, wiedas der Hansestädte zum deutschen Reiche; und dieser grundsätz-liche Unabhängigkeitösinn breitete sich mit der Zahl und Macht derColonisten weiter und weiter aus. Derselbe demokratische Geist,der so auf dem politischen Gebiete groß wuchs, wirkte auch in denkirchlichen Dingen, obwohl hier getrübter und langsamer als dort.