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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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mente ist der Ruhm der amerikanischen Verfassung, sondern dievollendete Folgerichtigkeit in der Ausführung eines einzigen Prin-zips: der Freiheit, dem Rechte nur dem Gesetze zu gehorchen,und der Gleichheit, der allgemeinen Pflicht einem und dem-selben Gesetze zu gehorchen. Hier waren nicht verschiedene Stände,Gewalten, Ansprüche, Einflüsse und Rechte in Gleichgewicht zu brin-gen, sondern hier war nur Eine Gesellschaft und nur Ein Stand, indem alles besondere Recht und Privilegium getilgt war; die Gewalt,die in den Händen des Einzelnen oft zur Willkühr, bei den Meh-reren immer zum Vorrecht geworden war, wurde auf Alle gleich-mäßig vertheilt, damit nur Ein einziges Recht sei. Dem Einen Rechteentspricht die Eine Sitte: der Reiche fügt sich dem mittleren bür-gerlichen Anstrich des Lebens, zu dem der Arme hinaufstrcbt, dereigentlich die Gesetze macht. Hier waren nicht alte mit neuen Ein-richtungen in dem Geiste eines beweglichen Konservatismus zu ver-söhnen, sondern Alles ist neu in diesem modernen Staate, Allesbeweglich und auf Neuerung gestellt in diesem Staate der Zukunft.Nicht das Bild einer antiken Staatsverbindung, einer streng ab-geschlossenen Nationalität steht vor uns, sondern eine universale,allaufnehmende Gesellschaft von größter Aneiguungskrast, voneiner weltbürgerlichen Natur. Nicht ein fest einheitlicher Staat,sondern ein Bund, in dem die einzelnen Staaten streben, ihreSouveränetät über die des Ganzen zu stellen, wie in den einzel-nen Staaten wieder der einzelne Mensch die möglichste Unab-hängigkeit vom Staate anspricht. Der Individualismus, dascharakteristische Kennzeichen der neueren Zeit und der protestanti-schen Menschheit, hat hier seine größten Rechte errungen. DerStaat ist hier mehr für das Individuum da, als dieses für deuStaat, die staatliche Ordnung ist im Dienste der persönlichen Frei-heit; die menschliche Ungebundenhcit überragt die bürgerlichePflicht. Die größten .Gebiete, auf denen sich die menschlichen An-