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einfache Stellung der Völker gegeneinander, dieser einfache Inhaltder Geschichte ändert sich aber in den Kriegen, die die Unabhängig-keit der englischen Colonien in Amerika einleiteten und durchsetz-ten. An die Stelle des Religionsinteresses trat das HandelS-interesse, daö nun die Staatskunst vorschrieb und die Gesetze dic-tirte, die Anlässe zu Kriegen und Revolutionen gab und die Arti-kel der Verträge und Friedensschlüsse füllte. Dem neuen Staats-bau ferner und den Unabhängigkeitsstrebungcn in Amerika liegennicht mehr religiöse Prinzipien zu Grunde, sondern politischeGrundsätze, die, wiewohl gewurzelt in den protestantischen Ideen,doch zunächst aus abstrakten, philosophischen Theorien entlehntwaren, und die Einwirkung eines ganz neuen Faktors in der Po-litik, die Einflüsse der Wissenschaft und Literatur, kund gaben. Unddann: die Unterdrückung und der Mißbrauch der Macht war indiesen späteren Zeiten des 18. Jahrhunderts auf Seiten Englands,das bisher immer die Sache der Freiheit verfochten hatte; und ander Seite der ausgestandenen Amerikaner kämpften jetzt hülfeleistendjene romanischen Mächte, die vorher immer an der Unterdrückungder Völker gearbeitet hatten. Diese veränderte Stellung der Natio-nen, jene neuen bewegenden Kräfte in der Geschichte sind die erstenAnzeichen, daß die schroffe Feindschaft der religiösen Bekenntnisseund die bisherige Ausschließlichkeit der politischen Grundsätze inden zwei großen Völkergruppen Europa's ihre stärkste Kraft ver-loren hatten. Und die nächste Folge war, daß gleich nach der Be-gründung der amerikanischen Unabhängigkeit die große Bewegungder Freiheit von dorther nach Frankreich herüber schlug und diegrößte der romanischen Nationen dem Despotismus und derreligiösen Bigotterie entriß. Beide Ereignisse in ihrem Zusammen-hange besser zu übersehe», ist es nothwendig, die Geschichte vonFrankreich nachzuholen, die bisher nur gelegentlich berührt wor-den ist.
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