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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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Srmirttich. Frankreich hatte sich während des Zusammenstoßes Spa-nen mit den germanischen Staaten, des Katholicismus mit dem

"g-rmani-"' Protestantismus, fortwährend nicht sowohl in einer Mitte, alsin einen: Wechsel zwischen den beiden Richtungen befunden, dieden Norden und Süden mit einander verfeindeten, als ob es seineAufgabe wäre, keiner von beiden ein dauerndes Nebergewicht zu-fallen zu lassen, als ob sich die germanischen und galloromanischeuElemente in der Nation wechselnd nur den Vorrang gestritten hät-'ten. Neben dem übermächtigen Spanien empfand Frankreich dasBedürfniß, dem sich selbst die römische Curie nicht entziehenkonnte, dieser Uebermacht entgegenzuarbeiten, und wenn selbstim Bunde mit protestantischen Staaten; als aber unter diesenEngland zu einen: gefährlichen Nachbar emporwuchs, fand es sicheben so oft bewogen, in den Bund der katholischen Mächte zurück-zutreten. Wie Karl V. die Franzosen aus Italien schlug, verban-den sich die Valois mit Landgraf Philipp und Moritz gegen Spa-nien; um >560 sind sie mit Spanien verbunden gegen England,und drei Jahre später mit England wieder gegen Spanien. Hein-rich I V. wußte sich gleichzeitig mit den protestantischen und katho-lischen Mächten ;n stellen. Unter Richelieu begann wieder derfrühere Wechsel: eben in: Bunde mit England gegen Spanien,macht er dann mit Spanien und dem Pabste Angciffsplane gegenEngland, und verbindet sich hierauf wieder mit Schweden gegenSpanien und Oesterreich. Durch diese schaukelnde Politik Frank-reichs ist der Protestantismus mehrmals, in den Zeiten Moritzensvon Sachsen und Gustav Adolphs, wo er kurz zuvor am gefähr-lichsten um sich gegriffen hatte und dann seinen eigenen Bestandam gefährlichsten bedroht sah, gerettet worden; unter Lud-wig XIV. aber, wo der Protestantismus überall ungefährlich ge-worden und daher überall ungefährdet war, hat ihn Frankreichin seinem Innern ausgetilgt. Wie in diesem Beispiele, so ist auch