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auf ein Haupt gefallen wären, allein man hatte an dem österrei-chischen Hause bereits erfahren, was die dynastische Ausbreitungeiner machtgierigen Familie auf sich hat; und Ludwig XIV. hatteAnjou, wie Napoleon seinen Verwandten, nachdrücklich einge-schärft, nie zu vergessen, daß er Franzose und Selbstherrscher sei.
Damals aber hatte Frankreich angefangen, in Nordamerika Kolo-nien zu gründen, die von Canada bis Luisiana längs dem Missis-sippi die englischen Pflanzungen in großem Bogen einschlössen;waö hätte dieser Besitz für Frankreich werden können, wenn dane-ben die spanischen Südeolonien in bourbonischcn Händen undbeide Reiche von Einem Gedanken in Politik und Religion bewegtwaren! War doch im Punkte der Religion Frankreich völlighispanistrt worden. Ludwig XIV. hatte im Gefühle seiner All-gewalt gewagt, was selbst Richelieu nie nur versucht gewesenwäre zu versuchen, was sogar der päbstliche Stuhl mißbilligte.
Er hatte schon 1672 den Niederländern die Herstellung des Ka-tholicismus befohlen; und 1685 widerrief er das Edikt vonNantes, trieb eine halbe Million der fleißigsten Einwohner anSdem Lande und bekehrte die Zurückgehaltenen mit Dragonaden.
Damals war es, wo er denn auch in blindem Eifer Jakob II. znrkatholischen Restauration in England antrieb. Hätte dies Werkgelingen können, welch andere Gestalt würde die Geschichte erhal-ten haben, da dann auch in Holland derselbe Umschlag unfehlbareingetreten wäre und in Amerika die französischen Jesuiten denTon in den Colonien angegeben hätten, und nicht,mehr die an-gelsächsischen Puritaner.
Aber diesem drohenden Bau der französischen Weltherrschaft ^ham vonwaren noch einmal die germanischen Völker im Nordwesten beru-fen entgegenzuarbeiten, wie sie den Entwurf der spanischen zerstörthatten. Und zwar war es ein einziger, ein wahrhaft großer
GervinuS, Einleitung. 8