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Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
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Unternehmungsgeist ohne den Sporn der Regierung. Die will-kührliche Verwaltung sog die neuen Gewerbe mit Steuern aus, dieEngländer besteuerten sich selbst. Die protestantische Schule entfes-selte den Geist und erzog denMenschcn zur Thätigkeit, Ludwig triebseine thätigsten Einwohner aus und bedachte nicht, wie schwer derThätigkeitstcieb der Einzelnen zu erregen, wie leicht er zu erstickenist. In den Colonien thaten die französischen Jesuiten in CanadaWunder der Bekehrung und des Märtvrcrthums, aber die Pflan-zer in Luisiana auch nichts, was entfernt den Wundern der angel-sächsischen Thätigkeit zu vergleichen wäre. Nie hat der französischePflanzer die Wagelnst des Angelsachsen verrathen, in die innerenWälder vorzudringen und die Wildniß für die Cultur zu erobern.Und er hatte nicht die Entschuldigung des erschlaffenden Tropen-klima's wie der Spanier im Süden; hier lag der Fehler an denMenschen, die nicht gewöhnt waren, in einem freien Gemeindelebenfür sich selber zu denken und zu handeln. Es kam hinzu, daß dieKolonisation auf Staatsbetrieb von Anfang an eine feindlicheStellung gegen England nahm. Die Franzosen in Nordamerikaumschlossen die englischen Pflanzstaaten der Küste im Rücken undauf beiden Seiten; sie wiegelten die Indianer gegen sie auf; siekonnten künftig bei größerem Anwuchs ihrer Niederlassungen leichtbis zur Küste vordringen. Aber diese Aussicht, die englischen Co-lonien aus dem natürlichen Wege zu überflügeln, verschloß sich beider Unlust und Unfähigkeit der Franzosen zur Kolonisation sehrbald. Das erste halbe Jahrhundert der französischen Niederlassungin Luisiana wies nicht den zehnten Theil der Bevölkerung undder Erfolge aus, wie der gleiche Zeitraum in Neu-England. Diesstachelte Frankreichs Eifersucht gegen England nur desto mehr, diein dem religiösen Gegensatz, in dem verschiedenen Abstamm, in dergeographischen Berührung beider Nationen ohnehin zu viele Nah-rung hatte.