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später England mit Holland wetteiferte, englische Kolonisten inAmerika auf eigene Hand neue Staaten und Staatsformen schu-fen, und englische Handelsgesellschaften an Kühnheit und Erfolgenden Staat überboten, waren dies die Zeiten, wo das germanischeBürgerthum seine gewerblichen Kreuzzüge machte mit glänzende-rem Ausgang, als das Ritterthum seine christlich-kriegerischen ge-macht hatte. Es lag in den gewaltigsten Verhältnissen vor denAugen der Welt, was deutscher Fleiß gegen romanische Unbeweg-lichkeit, was bürgerlicher Erwerb gegen großen rolonialcn Gütcr-besitz vermöge, wie weit protestantischer Geist ein Volk voran--bringe gegen das andere, das die priesterliche Hierarchie bedrückt,wie weit die freie Bewegung im Staate die despotische Ordnungüberbiete.
Französische
Colonisa-
tionSver-
suche.
Diese beiden Beispiele im Angesicht schien Ludwig XI V. beideWege vereint gehen zu wollen; er gerieth aber unvcrsehen auf denWeg der spanischen Politik ausschließlich. Er regte die gewerb-liche Thätigkeit in Frankreich mächtig fördernd an, schuf aus demNichts eine große Seemacht und betrieb Auswanderung undAnpflanzung, die schon seit Richelieu in sichtlicher Eifersucht gegenEngland begonnen waren. Die Thätigkeit des Staats schien mitder der Einzelnen wetteifern zu sollen. Großartiger konnte man mitGesetzgebung, Anstalten, Unterstützungen, Canal- und Straßenbauu. f. von Staatswegen nicht eingreifen, als dies unter ColbertsVerwaltung geschah. Aber unter der centralen Leitung und fürst-lichen Veranstaltung aller Dinge litt auch hier die Selbftthätigkcitder Einzelnen, auf der zuletzt Alles beruhte. Auch England hattemit Schifffahrtsacten und künstlicher Gesetzgebung seinen Handelgefördert, aber das Beste hatte der Eifer der Privaten gethan. Diefranzösische Regierung rief Handelsgesellschaften mit Staatsmit-teln ins Leben, die englischen entstanden aus sich, und ihr kühner