Buch 
Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts / von G.G. Gervinus
Entstehung
Seite
123
JPEG-Download
 

123

ländischen, verewigen zu wollen. Dann aber ward England durchden Verlust seinerColonien nicht, wie Frankreich beabsichtigt hatte,geschwächt, so wenig wie durch Napoleons Festlandsperre; viel-mehr begann damals erst die volle Entfaltung der inneren KräfteEnglands und ihre verständige Pflege. Und was an seiner Han-delsgröße und der daraus gezogenen Staatsmacht den größerenTheil hatte, die Thätigkeit des Volks, das konnte nicht durchKriege besiegt werden, und ward durch die Freiheit des Staatesund des Handels von Nordamerika vielmehr gestärkt. Dem altenColonialsystem war in diesem Ausgange das Urtheil gesprochen.

Die Losreißung der spanischen Colonien ward die natürliche Folgeder nordamerikanischen Befreiung. Die Irrthümer des herrschen-den Handelsystemes wurden mehr und mehr erkannt und abgelegt.

Der Freiheit des Verkehrs ward die erste größere Bahn gebro-chen, die die folgenden Zeiten ebenso sehr verfolgt haben, wie dieBahn der politischen Freiheit, für die durch die Gründung desneuen amerikanischen Staates gleichfalls ganz neue Wege geöff-net waren.

Die äußere Unterstützung Frankreichs hat den VereinigtenStaaten (eine Wendung, die mauzn Ludwigs XIV. Zeiten nicht ^w,g x,v.vermuthet hätte) zu ihrer Unabhängigkeit geholfen; die Einwir-kung der geistigen Bewegung, die in Frankreich seit Ludwigs Re-gierung eingetreten war, half zu der innern Staatsordnung mit,die sich der neue Bundesstaat gab; diese beiden Thatsachen leite- >ten den völligen Umsturz der französischen Verfassung selber ein;eine Wendung die zu Ludwigs Zeit noch viel weniger wäre ge-ahnt worden. Auf dem Gebiete der materiellen Dinge war dasWerk mißrathen, das die Absolutie ohne Entfesselung der VolkS-kraft auszuführen dachte; auf dem geistigen Gebiete zerstörte siesich selber, indem sie die Volkskraft wider Willen entfesselte, un-