Buch 
Teutschland nach seiner natürlichen Beschaffenheit und seinen frühern und jetzigen politischen Verhältnissen / von K. E. A. v. Hoff
Entstehung
Seite
67
JPEG-Download
 

1. Gestalt der Oberfläche, c. Norbteutfche Ebenen. 67

Dort bringen die Flüsse und das Meer selbst in vereintemWirken zuerst Sandflächen auf dem seichten Grunde des MeereSlängs der Küste zusammen. Die sich über diese Flächen ergießen-den Wellen lassen bei ihrem Zurückziehen immer etwa- Schlammdarauf zurück, und es entsteht ein crhöhetec Meeresgrund, derwährend der Ebbe vom Wasser verlassen wird. Solchen Meeres-grund nennt man das Watt. Pflanzen, denen die abwechselndeWasserbcdeckung zusagt, keimen und wachsen in dem Schlamme.Sie werden die Ursache, daß immer mehr Schlamm hängen bleibt,und daß die Erhöhung des Grundes so weit fortschreitet, daß end-lich das Wasser ihn nur noch auf kurze Zeit bedeckt. ImmerMehrere und andere Pflanzen siedeln sich darauf an, und dieUeberceste der zerstörten erhöhen den Boden endlich so weit, daßer gar nicht mehr von der gewöhnlichen Fluth erreicht wird. Sol-ches Land das man in OstfricSland Seiler nennt, und daswegen des auf demselben üppig sprossenden Grases zur Viehweidebenutzt wird ist nun wirklich neues Land; die Küste ist indas Meer vorgerückt. Aber dieses aus lockeren Bestandtheilen zu-sammengesetzte Neuland ist der Zerstörung durch hohe Fluchen Preisgegeben; es kann wieder verschwinden. Da greift die Menschen-hand ein, und umgiebt es mit einem Damme (Deich). Es istnun geschützt gegen Zerstörung und gewonnen für immer. Sol-ches eingedeichte Land wird Polder oder Groben genannt. Außer-halb desselben erneuert sich die Landbildung, und so entstehen meh-rere Polder vor einander.

Zwischen den meisten der kleinen flachen Inseln, die vomAusflüsse der Weser an bis nach Nordholland eine Kette vor denNordteutschen Küsten bilden, und dem festen Lande besteht einso erhöhcter Meeresgrund (Watt), daß man bei der Ebbe vomLande nach den Inseln zu Fuße gehen kann.

Aus dieser Wirkung des Meeres aus das Land durch Bildenund Zerstören ergiebt sich, daß die Gestalt der Küsten der Nord-teutschcn Ebenen fortwährend verändert wird.

5 *