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Teutschland nach seiner natürlichen Beschaffenheit und seinen frühern und jetzigen politischen Verhältnissen / von K. E. A. v. Hoff
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III. Teutschlanbs Bewohner.

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Ein gewiß merkwürdiger Umstand, auf welchen Tentschlandstolz seyn kann, ist, daß die Familien seines hohen Adels dergroßen Hälfte von Europa Regenten gegeben haben. TeutscheDynastien regieren Großbritannien, die Niederlande, Dänemark,Preußen, Ungarn, Oberitalien, Rußland, jetzt auch Griechenland,und vormals Schweden, auch eine Zeit lang Polen. Latharrna II.war eine Teutsche Fürstin, Georg II., Gustav III, ausgezeichneteNamen, waren Teutscher Abkunft. Unter den Europäischen Rei-chen werden nur Frankreich, Portugal und die Türkei von Fa-milien regiert, die auS dem inwohnenden Volke stammen, Neapelund Spanien von einer Französischen Dynastie. Auch theilen diemeisten auswärtigen Monarchen ihre Throne mit Teutschen Für-stcntöchtern.

Ueberblicken wir die Verschiedenheit der Natur und der Cha-rakterzüge des Volkes in den verschiedenen Gegenden Teutschlands,so werden wir zwar Einige finden; aber sie sind nicht grell, undder Teutsch« Charakter spricht in Allen sich auS: Biederkeit, Of-fenheit und eine Empfänglichkeit für alle» Gute, Nützliche undSchöne ohne Unterschied seines Ursprung«; daher eine große Leich-tigkeit und auch Lust, das Fremde sich anzueignen; und daherein minder scharf abgeschlossener, alles Fremde und selbst dieKenntniß davon verschmähender Nationalsinn, wie man ihn beieinigen anderen Völkern findet. Wenn diese Sinnesart ihre guteSeite hat, und in mancher Hinsicht Gutes hervorbringt, so hatsie doch in vielen Fällen die Folge, daß der Teutsche leicht dasEinheimische gering schätzt, mit seinem Vaterlande und dessen Ein-richtungen unzufrieden wird, daS Fremde über Gebühr preisetund oft ohne Noth nachahmt, endlich auch von der Lust zumAuswandern befallen wird. Von diesem Vorwürfe sind im Gan-zen die Teutschen nicht frei zu sprechen.

Für den lebendigsten und bildsamsten Theil des TeutschenVolke- möchten wir die Schwaben ansprechen und die Anwohnerdes Rhein. In ihren Ländern lebt ein Menschenschlag, ausge-zeichnet durch Gewandtheit, Rührigkeit und Auffassungsgabe. DieSchwaben sind ein poetisches Volk. Aus Schwaben erklangendie Lieder der Minnesänger in der Zeit der Hohenstoufc», die von