ö12
Vereine zuni überseeischen Handel.
nicht gleich standen, sowie noch ein anderes von 1784 verordnete, daß von derCompagnie jährli^) wenigstens viermal eine Theeversteigerung veranstaltet,und so viel als zum Bedarf erforderlich Ware, dem Meistbietenden zugeschla-gen werden sollte, wenn auch nur ein Penny über den Ausrufspreis für dasPfund geboten würde. Dieses Gesetz wurde vielfach umgangen, denn die ost-indische Compagnie gab in ihren Rechnungen, die sie der Schatzkammer vorle-gen mußte, die Einkaufspreise höher an und wußte auch bei der Coursberech- ,
nung zu gewinnen, indem sie das Tael Silber, wornach in Canton verkauft !
wird, und das in den letzten Jahren ungefähr 5,1 Schillinge betrug, to Pencehöher rechnete. Eben so wenig wurde auch das Gesetz bei den Versteigerun-gen beachtet, und der Ausrufspreis, der den Einkaufspreis, die Zinsen und !den gewöhnlichen Gewinn in sich begreift, nicht selten weit überstiegen; sowurden 1830 bei dem Congöthee, der zwei Dritttheile des gesammten Ver-brauchs ausmacht, 22, 45 bis 72 Procent über den Uusrufspreis gewonnen.
Auch die bedeutenden Kosten der Factorei in Canton wurden auf die Thee-preise geschlagen. Diese Anstalt der Compagnie bestand seither aus 12 Su-percargo's und 8 Schreibern, die in die Aemter der Ersteren aufrückten, wennein Platz erledigt wurde. Beide hatten freie Wohnung und Kost, und dieSupercargo's theilten jährlich nach Verhältniß ihres Alters eine Summe vonmehr als 80,000 Pf. St. unter sich, die aus den Procenten der Ein- undAusfuhr hervorging. Der Vorstand des Ausschusses hatte 8SVV, und keinSupercargo weniger als SW Pfund Sterling. Sie wohnten jährlich 3 bis 4Monate in Canton, um den Verkehr mit den Hongkaufleuten zu besorgen,welchen sie die eingeführten Waaren ablieferten und den Thee dagegen empfin-gen; sobald aber die Schiffe nach England abgesegelt waren, gingen die Facto-rei-Beamten nach' Macao, wo sie während der übrigen Zeit des Jahres wohn-ten. In den neueren Zeiten stiegen die Kosten der Factorei noch höher, und ibetrügen 1829 gegen S0,l)00 Pfund Sterling. Die ganze Anstalt dienteübrigens nur dazu,. Söhnen, Vettern und Brädern der Directoren Gelegenheit >
zu geben, sich bereichern zu können, und könnte füglich entbehrt werden, in- .
dem die Amerikaner bereits seit Ly Jahren, ohne kostbare Factoreianstalten, leinen gewinnreichen Handel nach China treiben. Auch sind die Chinesen beiallen ihren Eigenheiten ein handelslustiges Volk; pieke ihrer reichen Kaufleutebesuchen den östlichen Archipel, viele derselben siedeln sich in Batavia und Sin-gapore an, und jährlich segeln Schiffe von 800 bis Ivvg Tonnen aus den süd-lichen Häfen China's nach Japan, Bornen, Celcbes. Daß sie aber, wenn sieauch dem Fremdhandel nicht geneigt waren, ihn dennoch nicht würden hindernkönnen, beweist die, trotz allen Verboten, vermehrte Einfuhr des Opiums- ,allein neuere, besonders von den unternehmenden amerikanischen Kaufleuten ^gemachte Erfahrungen haben auch gezeigt, daß die Chinesen gern mit Frem-den Verkehr anknüpfen. Gingen die Europäer nicht nach Canton, um Theezu holen, so würden ihn .die Chinesen nach Singapore und Batavia schicken,weil ein größer.Theil der chinesischen Bevölkerung von der Ausfuhr dixsesErzeugnisses lebt. Man hat häufig gesagt, daß gerade aus den eigenthüm-lichen Einrichtungen der Chinesen das lästige Monopol der Hongkaufleute her- lvorgegangen sei, solches ist aber nicht eigentlich der Fall. Obschon die chine-sische Regierung den Handel mit deip Auslande gewissen beschränkenden Anord-nungen unterworfen, und nicht nur in Canton, sondern in jedem Hafen Si-