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Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
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Briefe an Bonstetten- 13

und gesagt worden, die Schrift sey gemacht, abergegeben hat er mir sie ncch nicht; hieven ist mirdie Ursache so wenig begreiflich, daß ich fast glaube,es ist keine. Indessen habe ich meinen Abschiednehmen müssen, weil der Landgraf weder meinenUrlaub verlängern wollte, noch deinen Mittelwegannehmen; er ist mir aus die ehrenvollste Weisegegeben worden. Ich glaube nicht (abgerechnet, wasmir Tr. doch heilig versprochen, und was er gethanzu haben mir versichert) Hiebei verloren zu haben;Langeweile und mancherlei Anderes hatte mir Caffeloft unerträglich gemacht, mehr als Einmal wäreich bald weggegangen, ohne zu wissen, wohin. Da-zu kann, wenn ich die Geschichte der Schweiz voll-ende, mir die Gelegenheit nicht wohl fehlen, imNothfall eine solche Stelle immer wieder zu finden.Endlich, ich bin mir bewußt, aus den edelsten Grün-den so gethan zu haben, und ich habe erfahren, daßder, auf den ich traue, mich nie verläßt.

In Absicht auf die Sprache sind unsere Gedankenganz die gleichen. Viele Alte haben in fremdenSprachen geschrieben, und sind nicht mehr. DasDeutsche werde ich nicht Mehr vergessen; die Waf-fen Josephs werden es auch ausbreiten; es wirdsich zum Französischen einst verhalten, wie das La-teinische zum Griechischen.

Die Reise um die Welt verurtheilst du in dei-nem Brief mit Recht.

Am unangenehmsten ist mir immer, daß dunicht wohl bist, mein Liebster; ich möchte für dichleben und sterben; es ist nur der GlücksumständeSchuld, wenn ich mich nicht nun schon persönlichganz dir hingeben kann, und ich bin es gleich-wohl bereit. Möchte in unsern Studien etwasdeiner sich genug bemächtigen, um daß die WeltB. vor dir verschwinde. Sey stark, mein Bester,