Briese an Bonstetten.
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daßin weiß Gott, wie ich es machen und aushal-ten werde, ich bin oft in äußerster Niedergeschla-genheit. Es ist mir so nothwendig, als es dirlieb seyn kann, einige Wochen zu Valeires zuseyn, aber ich wünsche, vieler Ursachen wegen, daßes nichtgar zu weit ausgesetzt werde; im Dec. z. B.fangen die Kollegien an. Das Beste würde im-mer seyn, du kämest für einige Tage nach Genthod,dein Aufenthalt wird Ihnen, dir und mir Ver-gnügen machen. Besuche alsdann, wenn du willst,mich nicht, welches Mittel das einige ist, wodurchdu zu verstehen geben kannst, was du von demStillschweigen auf deinen Brief haltest. Vermuth-lich wird Hr. Tr. dich suchen, alsdann können wirauch meinen Aufenthalt bei dir ausmachen. Uebri-gens ist mir fast leid, von meinen finstern Stun-den dir gesprochen zu haben, ich hatte mir sonstvorgenommen, solche Zeiten allein für mich zu füh-len; das nur ist mir wichtig, daß ich allezeit einfreundliches Asylum hinter mir wisse, damit ichdas Joch nickt allzu hart fühle, und auch jener esnicht über die Maße schwer machen dürfe.
Der Philadelphien *) ist mit äußerster Kunstund vieler Beredsamkeit geschrieben. Die ganzeGeschichte der Unruhen von Genf ist vortrefflicherzählt, aber was des Volkes Partei nicht so gün-stig ist, boshaft verhehlt, fast alle Facta sind un-vollständig oder entstellt, aber viele Gedanken schei-nen mir stärker und wahrhafter, als den hiesigenFreunden der gegenwärtigen Verfassung. Es istwahr, dieselben Anstalten sind nothwendig, um
he Philadelphien « Genève; über die damaligenUnruhen, g. £«ííeré Q3ÍÍMÍ. VI, 1525. M.