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Briefe an Bonstetten.
236.
Genf, den vorletzten des Jänners 8 4.
27 Jahre lang arbeitete Thucpdides an derGeschichte des Einen peloponnefischen Krieges, undstarb, nachdem er die letzten sieben Jahre nur nichtberührt. Weniger nicht als Zv Jahre wurden er-fordert, um das Buch Diodors von Sicilien zuStande zu bringen. 22 Jahre hat an seiner Ar-chäologie Dionpsius, und nicht geringere Zeit(nämlich über dem Sammeln zehn, 12 Jahre aberüber der Ausarbeitung) Dio Cassius zugebracht.Von Sallustius wissen wir, daß er früh anfing,und bei reifem Alter endlich schrieb, was wir ha-ben. Eher nicht als im 32sten Jahre seines Le-bens wagte sich Montesquieu vor das Publicum;45 Jahre alt war er, als er (über eine von so vie-len großen Männern bearbeitete Materie) daSBuch von den Römern schrieb; und kaum entschloßer sich nach 2vjähriger Arbeit endlich das überdie Gesetze zu liefern. Es kömmt weder mir zu,mich solchen Schriftstellern zu vergleichen oder zuverachten, was Gott auch mir gegeben: aber nach-dem ich viele Jahre der ersten Jugend fast verlo-ren, das rzsta endlich hier, aber in einer Beschäf-tigung, für die ich nicht war, das 24ste und 25stemit Kinloch, so daß mir für eigene Studien vonFreundschaft und Pflicht wenige Zeit gelassen wurde,hieraus die folgenden z Jahre auf Schweizerreisen,bei Bonnet, bei Tronchin über Collegien, undkaum bisweilen einen Monat allein und frei zuge-bracht — nach allem diesem und so vielen Irrthü-mern der Jugend, welche bald für Vergnügen,bald für Verdruß mich zu empfindlich machten,und nach allen mißlungenen Versuchen, des nochungebildeten Geschmacks, bleibt mir aus diesen