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Briefe an ®onfictfeti.
Jugend moralisch unmöglich machen — so vielerHindernisse ungeachtet, noch das Gefühl genügsa-mer Kräfte, alles zu thun, alles zu werden, wasich thun und werden konnte: sobald ich das Glückhaben werde, ruhig (d. i. ohne Geldsorgen undAbhängigkeit von einem, bei dem ick leben müsse)meinen Studien obzuliegen. Die Materialien zuBüchern liegen da, die Lehren der Staatsmännerund Moralisten sind in meinem Geist, und imHerzen, darf ich sagen, ist, was allem diesem Le-ben einhauchen kann. Dieses ist und war meineLage; so viel und unter diesen Umstanden habe ichgethan; alles dieses durch mehr. Besseres undGrößeres zu verdunkeln, Geschichtschreiber, Sitten-lehrer. Freund und ein bei der menschlichen Un-vollkommenheit nicht verächtlicher Mann zu werden,dazu fehlt mir der Wille nicht, auch wohl dasGeschick nicht, nur aber das, was nicht von mirabhängt, nämlich das Vermögen, ruhig und freiganz das zu seyn, was ich soll und mag. Du aberwirfst mir vor, ich habe noch nichts gethan, undbehauptest, ich sey in der glücklichsten Lage; prüfedieses ganze Gemälde, was in demselben ist nichtwahr? Wie viele Werke, die das Urtheil der Jahr-hunderte aushalten konnten, sind von den Altengeschrieben worden vor ihrem zgstenJahre? Frühernicht haben Demosthenes und M. Cicero angefan-gen, und in wie verschiedenen Umständen und mitwelchem Geiste? Ich läugne es nicht, und michschmerzt über alle Maßen dieses Gefühl; ohnedie Thorheiten meiner jünger» Jahre könnte ichschon viel weiter seyn, zu meinem guten Glückhat mich die Vorsehung nicht früher mir selbstüberlassen, wenn aber der allertiefste, der aller-innigste, der allerbrennendste Ernst und Eifer derwahren Tugend, wenn die allerenthaltsamste und
regel-