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Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
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Briefe an Bonstetten.

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regelmäßigste Lebensart, wenn die unermüdetsteArbeit nicht nur in den Geschichten, sondern anmir selbst, wenn die Redlichkeit aller dieser Mühe,wodurch ich suche, mich über das, was ich war,zu dem, was ich seyn sollte, zu erheben; wenndieses dem, der die Güte selber ist, gefällt, liebsterFreund, so darf ich hoffen, das Versäumte werdesich zehnfältig wieder finden, und ich werde end-lich einmal ein vergnügtes und für andere Men-schen wohlthätiges und nützliches Leben führen.So lange wirf mir mein unfruchtbares Nichtsnicht allzustreng vor. Ohnehin ist nicht leicht,eine Geschichte mehr als 20 unabhängiger Staa-ten ohne eine genaue Kenntniß, der allgemei-nen Geschichte, ohne feste Grundsätze der Po-litik, Moral und Kriegskunst, ohne einen richti-gen Geschmack in der Manier, ohne Beredsamkeitin der Sprache, und vor dem zrsten Jahre des Le-bens vollkommen genug zu schreiben, daß dieselbedie Prüfung aller kommenden Seiten und aller spa-ten Geschlechter aushalte. Wie sie nun schreiben,hätte ich schon Quartante» herausgeben können,und sie wären auch schon fast vergessen. Hume,es ist wahr, hat in 1 » Jahren seine Geschichte ge-schrieben, aber welche Vorarbeit hat er nicht ge-funden? Und als er anfing, war er 42 Jahrealt, in der Stärke des Geistes, ein leidenschaftlo-scr Mann. Voltaire schrieb, was und so schneller wollte, hierin ist er einig, und es ist auchwahr, daß in einem ganzen Band oft nicht mehrIdeen sind, als in einem Capitel der großen Al-len. Unter den letzter» wurde bewundert, mitwelcher Leichtigkeit Julius Cäsar die Cvmmenta-rien geschrieben, aber es ist ein Einiger Cäsar, under schrieb seine eigenen Thaten, eben dieser Cäsarhat vor seinem 57sten Jahre in dem Staat wenig2. ». Müllers sammt!. Merke. XXX VI. Z