Briefe an Bonsietten.
IIS
weder wie Cato zu fallen, oder noch einmal in dasfreilich selbst immer engere Gebiet der 9 Schwe-stern einen rettenden Seitensprung zu versuchen.Uebrigens studire ich zwar, aber nur für mich.Die Feder fällt einem aus der Hand, wo Verbre-chen und Schwäche für Warnung oder Lehre gleichtaub, der größere Theil der Menschen getäuschtoder erschrocken, und (wenn Gott ex machina odervielmehr durch große Menschen nicht hilft) lauterAnarchie und Barbarei vorzusehen ist. Daranzweifle nie, daß, wo man mich handeln läßt, ichder Gesinnungen würdig erscheinen werde, welche,wie du weißt, von Jugend auf, nie auf Eigennutznoch Eitelkeiten, sondern auf das Allgemeine undauf die Nachwelt gerichtet waren.
Unserer Freundin und dir sage ich unendlichenDank für den herrlichen Unterricht, für das Göt-tervergnügen Eurer Briefe im Magazin*). EureManier und Schreibart sind sehr verschieden, aberderselbe Blick, derselbe wohlwollende Geist, dieselbeMalerei, überall Ihr. Du hast in deinen Beob-achtungen bald jenes Praktische (wie in den Brie-fen von Langenau), wodurch du dich über die trocke-nen Speculationsphilosophen allzeit erhebst, baldjene allgemeinen Blicke auf das Ganze der Natur,Humanität und Politik, die deinem durch Bonnetentwickelten Genie eigen sind. Sie ist prächtiger,glänzend, aber nie mehr alö die Natur, und indemsie derselben ihre edle Seele gibt, führt sie vonder Majestät der physischen Welt unaufhörlich zu-rück in den traulichen Schoß der Freundschaft undHerzlichkeit. Nie ist eine terra incognita eins-
*) Herausgegeben von k. U. D. von Eggers, danngesammelt erschienen.