Brief« an Bonstetten.
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Es wäre vortrefflich, wenn du dänisch verste-hest, von Suhm einen Auszug zu machen. Ueberdiesem Justinus würde man sich trösten, den bän-dereichen Trogns nicht lesen zu können. Ich binimmer mehr für die Historie, wie alles gekommensey; sie zeigt, wo alles ist; sie leitet aus die Ver-besserungen: die Theorien vagiren herum, trügen,verführen, präcipitiren. Wenn du aber theoretischeSachen schreibst, so bin ich sehr der Meinung je-ner Freunde, die alles weitläuftiger wollen. Mankann sich nicht deutlich genug machen, in Zeitenwo alles verdreht worden, und mißverstandenwird. Gewissen entweiheten Wörtern (wie oben)substituire andere, populäre, alte.
Es ist ganz gut für alle Schreiben; aber dasgibt sich von selbst, wenn man das Vorliegendemit edlem Wahrheitssinn behandelt. Von demSchweben über Jahrhunderten hin, von dem Ver-gessen ihrer Zeit und Lage, habe ick, wenigstensbei den Staatsmännern und Geschichtsschreibernder Alten, nichts gesehen; und um Thucydidesganz zu fühlen, muß man Athenienser werden.Wir Europäer haben eine größere Welt, aber so-bald wir z. B. nun für eine ungewisse Zukunftihre Bedürfnisse des Augenblicks vergessen, träumenwir in das Schattenreich. Das ist eben eine Kunstder Franzosen, zu machen, daß die Gräuel als vor-übergehende Kleinigkeiten dem Hirngespinnst ent-fernter Glückseligkeit geopfert werden, und werdas thut, wirkt nicht, oder nur, wie sie es wollen,auf dieß Zeitalter. Ich danke den Alten und derGeschichte, daß dergleichen Gaukelei mich nichtleicht täuscht. Die Idee fortgehender Entwicklungder Menschheit (ganz gegen die Erfahrung) ist auchso eine. Lies in der vorjährigen Jenaer Literatur-Zeitung meine Recension von Woltmanns Geschichte