Briefe an Bonstetten.
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dein Stillschweigen schreibe ich deinen eigenen Be-trübnissen zu. Nimm diese Hand; wenn du allesverlierest, bleibt dir dein Freund. Antworte, schweige,sey hart, schreibe mir nach deinem Herzen; betrü-ben wird mich jenes, dieses wird mich glücklichmachen; unsere Freundschaft aber soll jenes nie ver-mindern , dieses allezeit erhöhen. Vergib, daß mirdie Ungeduld bisweilen ein hartes Wort abbringt;fühlen werde ich sie allezeit; gegen dich sie zu äußernwill ich mir streng verbieten. Wir haben einenFreundschaftsbund, auf so lange den Menschen ge-geben ist ihr Bewußtseyn beizubehalten; ich hoffe,der Tod verschlinge es nicht. Meiner sey also ver-sichert, gegen dich selbst aber so hart nicht, daß dudir den Trost freundschaftlichen Gesprächs mit mirversagen solltest.
Acht Bogen der Historie sind nun durchgesehen.Die Anekdote bei Erbauung von Rapperswyl habeich völlig ausgesirichen; sie schien mir der histo-rischen Würde nicht gemäß; alles, was gegen diesescheint, kömmt weg; desto eher, da die Arbeit michselbst ernster und mäßiger macht, und ich täglichfühle, daß die keusche Minerva und Apollo, deruntadelhafteste der Götter, und nicht Venus, nichtBacchus, noch Jupiter meine Gottheiten sind. Esflößt aber dieser gute Lebenswandel eine göttlicheZufriedenheit in meine Seele, und nach und nachhoffe ich die Stürme der Leidenschaften zu beschwö-ren, bis keine übrig bleibt, als die Liebe der Wis-senschaften und Bvnstettens. Unaufhörliche Be-schäftigung ist ein vortreffliches Geheimniß der Tu-gend, komm ihr aber zu Hülfe; lieben muß man,und ich kann diese Flamme nicht reiner nähren, alsam Busen meines besten und einigen Freundes, undaus seinen Briefen.