Briefe an Bonstetten.
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müde ist, wahrhaftig nicht eben angenehm ist um-zugehen, besonders da nun sein Geist auf eineneinigen Gegenstand geheftet ist, und er ihn nochdazu immer im Schwarzen betrachtet. Ich genießenicht das allergeringste Vergnügen, denn den Tagüber bin ich anderweitig beschäftigt, und am Abendmuß mein Geist noch gespannter seyn, als währendaller Geschäfte des Tages. Stelle dir vor, daßsogar von den hiesigen Sachen zu raisonniren. wahr-lich noch eine Erlabung für mich ist. Ich bin da-her fest entschlossen, bei niemand mehr zu wohnen(dich rechne ich nicht für jemand), besondersnicht auf dem Lande im Winter. Die Lenggaßgefällt mir, wenn ich bei dir speise; wenn du abernicht oder spät kömmst, will ich lieber ein Zimmerin der Stadt, weil das unendliche Holenlaffen mirnicht das geringste Vergnügen und viele unnützeAusgaben macht. Nach dir, du seyest nun wo duwollest, sehnet meine ganze Seele.
Ich rechne aus dem Ertrage des Collegiumsund Buchs iV 2 Jahre bequem zu leben; woraufich entweder zu Genf in der Stadt ein Zimmermiethe, und noch einst wieder das Cvllegium lese,oder ich stelle, wie Werthes, eine Uebersetzungs-sabrik an, und nehme Aristoteles Politik, den Ca-stiglione, den Bolingbroke rc. zu übersetzen oderabzukürzen vor; oder ich könnte vielleicht jenes Col-legium in irgend einer Stadt lesen, wo es nochunerhört. Ich bin also nicht unruhig, aber freiwill ich seyn.
S u lz e r s Reise gefällt mir wohl, weil ich ihnzu sehen glaube, und an vielen Orten sein philo-sophischer Blick durchleuchtet. Ueberhaupt vermeh-ren doch fast alle Reisen die Liebe der Schweiz, woin Wahrheit noch die größte Summe Glück befind-lich scheint, besonders aber die Achtung und Liebe