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Briefe an Bonstetten.
ist, daß wir eine geraume Zeit einander nicht sehen. 'Dieß scheint mir in allen Fällen gleich unwahr-scheinlich. Ich sammle dir in diesem Lande einenSet Freunde, die, wenn du mich besuchst, dichschon alle kennen, und komme ich vorher wieder zudir, so brauche ich ohnehin die Mühe so weitláuf-tigen Abschreibens nicht anzuwenden. Da duwissen willst, wie viele Freunde ich in den erstenTagen gemacht habe, so vernimm, daß die Zahlmeiner Bekannschaften sich auf 56 erstreckt, aber Bst.ist immer allein auf dem Throne. Bei Dohmlerne ich am meisten, er ist so gütig und für michso freundschaftlich sorgfältig, daß auch dn ihn liebenmüßtest. Reichard, der Capellmeister, weiß soviel Unbekanntes und desto Merkwürdigeres vonmeinem Goffredo, daß mir sein Umgang auch hie-durch interessant ist; als er meine Gesch. bekam,wachte er bis Morgens s Uhr über der Lectüre der-selben. Heute speis'te ich bei dem StaatsministerFreiherr» von Zedliz. Dieser hat beim erstenBesuch mich ungemein eingenommen, auch weilsein Aeußerliches dir viel gleicht, und er von derStaatömiene gerade nicht mehr hat, als du, wenndu bei mir bist. Der König hat seine Erziehungbesorgt, alle Grade hat er durchlaufen, aber schnell;nachdem er zu den höchsten Graden gestiegen, hater dem Könige in einer großen Angelegenheit, weiler es thun zu muffen glaubte, widersprochen, undmehrmals alles gewagt, auch die Gunst des Kö-nigs, den er innigst liebt; nichts desto weniger ister im Besitze der vorigen Würden. Dieser Mini-ster fängt Morgens um 5 Uhr zu arbeiten an, denner wacht nicht allein über seine Departements; erlernt alle Zahr eine Wissenschaft, und schämt sichnicht, nun ein Collegium über das Griechische zuhören, und für diese Sprache zu thun, was Bst.