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Beobachtungen über Geschichte,
tigkeit, Freundschaft und Tätigkeit, Früchte bloßerAffection, werden redlich und standhaft beobachtet.Für Pflichten aber sehen sie die Officia so wenig, alsdie alten Deutschen (nach Tacitus) die Geschenkean. Denn die Volker hatten sich allein zur Sicher-heit vereinigt, und Verordnungen ihres bürgerlichenVerhaltens waren entweder despotische Usurpatio-nen, oder Zwangsmittel der wilden Unbändigkcit;daher die Menschen denselben im Gefühl ihrer na-türlichen Freiheit, wie die Römer des Papsts Ver-ordnungen gegen Meuchelmord, nicht gehorchen.Menschliche Handlungen werden daher seltener, jegenauer sie zu Gesetzen gemacht werden. So sindsklavische Völker die lasterhaftesten: so erstickt dieProsodie den Geist junger Dichter.
1 1S.
Ermahnende, unschädliche Strafen (lehrten dieWeisen der Hetruske») sendet Jupiter allein; nütz-liche, aber nicht ohne Schaden, mit dem Rath derXII Götter; verderbliche, welche alles umkehren,nach dem Gutfinden der obern Götter (quos in.volutos vocant). Senecae U. Q. II.
Die oberste Gewalt soll ohne Einschränkung Gu-tes, aber nicht Böses thun. So kann der Königvon England Urtheile mildern, nicht schärfen.
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Strafen bei barbarischen Völkern sind bloßer Er-satz des Schadens; bei cultivirten Nationen, welcheGesetze auf beständig verfassen und halten, wirdnicht sowohl das Physische als das Moralische (nonilamnum, sed facinus) betrachtet; sie strafen zumSchrecken, ihre Strafen sind eine Wohlthat für dieNachkommen, welche sie durch einen harten Streichvon solchen befreien, die Jahrhunderte lang durchein Svstem, so unverbesserlich supponirt wird,beunruhigen könnten, und von solchen, welche Glei-