188 Johannes von Müller Briefe.
ich sehe meine Stelle zu Genf als einen bloßenAufschub an, und hoffe, nicht ohne Grund, indreier Zeit mich geschickter zu machen, die gelehrtenund politischen Verfassungen des preußischen Reichseinst mit philosophischem Auge zu beobachten, undwürdiger zu werden, täglich und persönlich miremem so schätzenswürdigen werthen Freunde, wieSie, umzugehen. Erhalten Sie, ich bitte Sie alsum einen wahren Dienst, mein Andenken beidenwürdigen Männern zu. Berlin, mit welchen Siemich bekannt gemacht haben. Zerstören Sie beiandern falsche Begriffe, welche ich durch jugendlicheUnvorsichtigkeiten veranlaßt habe; und wenn ich znetwas Nützlichem in Ihrer Akademie oder sonst ge-funden werden sollte, so melden Sie es mir. Ver-sichern Sie Herrn Merian besonders der Freund-schaft Herrn Bonnets, und der vollkommene»Hochachtung, welche ich für ihn wegen seiner Ver-dienste trage. _
Wahren die Kriege Schlözers noch immer?Er ist unzufrieden, daß ich sie nicht billige; ichglaube aber, das Pnblicum und Derrn Schlözerssämmtliche Freunde wünschen mit mir, er möchtedie Feinde lieber durch fernere große Verdienste, alsdurch niederdonnernde Streitschriften beschämen.Hängt der Ruhm denn von Journalisten ab? Scha-den Zoilus und Mävius, Nonotte und Freron dengroßen Genies, welche sie angeifern? Oder ist nicht-er Neid gleichsam der Bürge und Herold des Ver-dienstes ?
— Die wenigsten Politiker haben Facta genugbesessen, wenigere Psychologie damit vereinigt. DiePsychologen haben meist bloß speculirt. Eine ArtPolitiker aus der Schule Rouffeau's und S. Pier-re's macht die Menschen mit ihrem Zustand, mitihren Verfassungen mißvergnügt, und breitet einen