Johannes von Müller Briefe. 205
und ihrer Art, die Dinge vorzustellen, und ichschreibe meine Reflerionen über diese Bücher, nichtzu Nutz und Trost des Gelehrten in der Studir-stube, sondern zu Regeln meines Verhaltens undzu Berichtigung meiner Begriffe von den menschli-chen Dingen. Und weil man die Menschen nichterrathen, sondern sehen soll, werde ich zweiten-diesen Winter täglich einige Stunden dem Umgangaller Art von Menschen widmen. Herr Tronchin,meine Bekanntschaften, die Art meiner Studienund andere Umstände erleichtern mir sehr den Zu-tritt zu allen Arten Gesellschaft, wo ich die Den-kungsart der Menschen und derselben Handlungs-weisen kennen lernen kann. Ich will hienächst nichtversäumen, unausgesetzt zu meinem Zweck zu arbei-ten und diejenigen Bekanntschaften zu suchen, welchemir in der Welt nützlich seyn können. Unter denSchriftstellern, welche mir besonders wohl gefallenund die in der Politik sehr wohl gesehen haben,sind vorzüglich die Italiener, deren Schriften ichvor andern liebe. Alles mit Einem Wort zu sagen,halte ich uns longa spcricnza dellc cose moderneet nna continua lezione de ’gli anticlie für die
Hauptquellen gesunder Politik, und die Stücke, umdie ich mich besonders zu bemühen habe. —
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An Herrn Joh. Jacob von Peyer inSchaffhausen.
Genf. den 4 Jänner 1775.Ihren Brief, m. Fr., habe ich mit desto mehrVergnügen gelesen, je seltener man in so jungenJahren über wichtige Gegenstände in so wohlge-«vählten Ausdrücken schreibt. — Ich sehe Sie mit