Johannes »on Müller Briefe. 209
Nach Cicero lastn wir Vellejus; er ist bis-weilen tief in der Mensckenkenntniß, selten odernie in der Staatenkenntniß, immer charmant, nurgegen das Ende aus Noth zu geschmückt. HieraufSnetvnius; worüber ich Ihnen wiederholen«ill, was ich einem andern Freunde geschrieben:Man bewundert CâsarsGenie, Augusts Staats-kunst, Tibers Verstellung; man beklagt Cali-gnla, denn er verlor seinen Verstand; Clau-dius, denn er hatte mit guten Absichten allzu vielSchwachheit; Galba, denn er hatte nicht mehrVigor genug, auszuüben, was er zum Besten desReiches gern harte thun mögen; man verabscheutNero und Domitian; man interessirt sich fürOtho, mau verachtet Vitellius, ist zufriedenmit Vespasian, Titus allein liebt man, be-tet man an. Mit dem Schriftsteller selbst war ichzufrieden, bis ich sogleich nach ihm den Tacituszum vierlcnmale zu lesen anfing. M. Fr. Mon-tesquieu, Horaz und Newton sind nicht erhabenerüber alle anderen Politiker, Dichter und Mathe-matiker, als Cornelius Tacitus erhaben ist überalle andern Geschichtschreiber. Ich respectireHumeund die italienischen Historiker; an meiner Hoch-achtung für denThncydides, Lenophon und Polyb,für den philosophischen Sallust und den edlen Cäsarkönnen Sie nicht zweifeln. Aber tiefsinnigere Ma-ximen und lebhaftere Gemälde in wenigen Wortenund mit mehr Würde, als mein Tacitus, hat nie-mand entworfen.
Ich lese zum zweitenmale Henault. DießWerk ist das Werk eines vielumfassenden und tie-fen Genie's, und ist's im Verborgenen nur vorden Augen, welche es sehr aufmerksam betrachten,und schon mehrere betrachtet haben. —
I, ». Nnllerê sâmmil, Werke. XXXVII,
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