230 Johannes von Müller Briefe.
Unter die allergrößten Vortheile meines Aufent-haltes in Preußen rechne ich Ihre persönlicheBekanntschaft und Freundschaft. Wenn ich nachGenf komme, so werde ich alles halten, was Sievon mir verlangt haben. Ich trete in keine Dienste,als in die Dienste der Wahrheit und Freibeit,welche die Königinnen der Geschichtschreiber sind.Ich werde denselben so getreu seyn, als dem preu-ßischen Hause, wenn ich je in seine Dienste geru-sen werden sollte: wenn letzteres nicht geschieht,werde ich unschwer zu trösten seyn; wäre es nichtungereimt, mich über Dinge zu grämen, die au-ßer meiner Macht stehen? Dazu liebe ich Freude,Ruhe und Musen zu sehr.
Mein Reisegefährte wird Gö kingk seyn. Waswir bemerken, verzeichne ich in die Jahrbücher under macht Epigrammen darüber. Ich habe mit ihmeine, wie ich hoffe, unverbrüchliche Freundschaft ge-stiftet.
In Genf ist nun die Frage, ob die Mediationzu Solothnrn oder Genf seyn soll? Jenes willFrankreich. Doch auch dieses; alsdann aber sollenschweizerische Truppen einrücken, die Mediation zubehaupten.
Wenn ich nach Spanien gegangen wäre, sohätte Gökingk ein Grablied auf mich gemacht; erwünschte mir, in diesem Fall daselbst verbrannt zuwerden.
Ich reise mit größtem Vergnügen in den Schoßder Wissenschaften, der Freundschaft und Ruhe zu-rück; nach der Lehre meines trauten Freundes,
qui simul aspexit, quantum dimissa petitispraestent, mature redeat, repetatque relicta.
Taufend Empfehlungen in das Andenken ihrerliebenswürdigen und vortrefflichen Gemahlin. Le-ben Sie wohl und meiner eingedenk. Schon glaub