240 Johannes von Müller Briefe.
Wäre es nicht besser, mit vereinigten Kräftengemeines Wohl zu suchen und einander über Vor-stellungen, die einer für unrichtig hält, aufzuklärenund freundlich zu warnen (wie auch Hirzel in denEphem enden), als durch störriges Schweigen oderVerleumdungen, wie die obigen sind (und noch an-dere), sich dem Vorwurf des Verfolgungsgeistes,des Neides oder der Zanksucht auszusetzen, undeinander diese Minute Daseyn, die uns Gott gab,um fröhlich zu seyn, unmenschlich zu verbittern.
Ich versichere Sie, daß ich nicht nur Ihnen,sondern jedem Ihrer Mitbürger, zumal wenn Siemir ihn rühmten, immerdar gern diene, Sie abersehr hoch schätze und liebe.
Uebrigens bin ich glücklich, denn Arbeit, wennsie gelingt, ist mein Leben, und hier arbeite ichtäglich 14 Stunden, habe auch aus 88 Schriftstel-lern, seit meinem Hierseyn, Auszüge gemacht, undeinen Plan entworfen, zu welchem nur zehn Jahreerfordert würden, um daß Zeitgenossen und Nach-kommen auch meiner Rechenschaft meines Daseynszufrieden seyn mögen, und niemand, mein Freundgewesen zu seyn, anders, als mit Vergnügen er-innere.
Meine neulich gehaltene Rede hat Herr Dohmin das Museum drucken lassen, sonst hätte ich SieIhnen zugeschickt.
Ich erinnere mich Ihrer Arbeiten, und weißnicht, ob Ihnen möglich seyn wird, mir nächstenszu antworten: daher ich Ihnen den Vorschlag thunmöchte, diesen Brief in solchem Fall einem IhrerFreunde zu geben, der mir aus Ihrem Herzensage, worauf es denn ankomme? u. s. w.