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Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
Seite
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Johannes «on Müller Briefe. 257

Nickt tief genug wirken, sondern verbringt sichselbst.

Gestern Abend bin ich hier wieder angekommen.Die Dauer meiner Abwesenheit hatte beunruhiget,und ich lernte, daß ich Freunde auch hier habe.Ich war noch nicht umgekleidet, als ich zu einemförmlichen Mittagessen bei A. geladen wurde; beiHerrn von Schliessen fand ich noch eine bessereNahrung, denselben Divdvr, den Sie mir gaben,hatte er indessen für ihn und mich kommen lassen.—

Es ist nnnvthig, Ihnen meine Gedanken überWeimar zu sagen, denn Sie haben sie gesehen.Was aber nicht möglich war, zu sehen, ist meinSchmerz, daß ich Sie, daß ich Ihre Frau, ja IhreKinder verlassen mußte. Nie hat mich in einemHause so alles eingenommen, und ich sah nie einesin diesem Grad für ernste und fröhliche Augenblickeso gleich gut gestimmt, nie einen Gelehrten, derso ganz gewesen wäre, wie der Weise seyn soll, undwie der Verständige zu scheinen wünscht. Ich sagenichts von allem Väterlichen und Mütterlichen, soSie meinem Bruder erwiesen; sein und Ihr Herzwird Sie darum lohnen; diese Gefühle haben vonden deutschen Gesellschaften keine Ausdrücke bekom-men. Mich haben Sie sich auf mein Leben lang zueigen gemacht; hierauf bin ich stolz, denn ich binalles Gute, das in mir seyn mag, der Freundschaftschuldig; daher sehe ich vor, daß auch die Begierde,zu seyn, wie Sie wünschen, mir mehr Vollkommen-heit geben wird.

Bereuet habe ich, daß wir nicht noch dieß unddas zusammengelesen haben; ich lese Ihnen gar zugern, und zwar entweder meine oder gute Schrif-ten; denn Sie fühlen (welches wenigen gegebenist) und hiedurch lehren Sie, oder vervielfältigen dasVergnügen durch Sympathie; es ist aber für dieI. ». Müllers sümmtl. Werk«. XXXYII. 17