Johannes von Müller Briefe. 289
gelesen, denn es ist ein unerschöpflicher Schatzneuer Gedanken. So daß ich einigen geschrieben,ich würde eine Ueb-rsetzung des ganzen allen Te-stamentes von Ihnen für einen solchen Dienst,zum Besten der mißkannten Religion ansehen, daßich eine Epoche der Kirchengeschichle damit anfangenwürde: denn wer hat ihren morgcnländischen Blickund Ihr Gefühl! dadurch würden Tausende be-schämt und erbaut werden. Man hat hierauf be-sorgt, Ihre Gesundheit möchte der Größe derArbeit unterliegen: hievon zu urtheilen steht Ih-nen zu. Wenn es wahr ist, ist es freilich besser,Sie wirken länger und mannichfaltiger, weil SieAufschlüsse geben können, welche verfolgen mag,wem es Gott gestattet. Ueber vieles möchte ichmit Ihnen sprechen, denn ich gestehe, daß ichz. B. vom Fall noch etwas mehr glaubte. Ueberdas Allermeiste möchte ich mich mit Ihnen freuen;so wie ich abwesend mich Ihrer freue. GehenSie Ihren Weg fort, welchen keiner vor Ihnenbetrat, und welcher näher als keiner zur Erkennt-niß der Wahrheit leitet. Jeder hat seinen Weg:mich leitete die Vorsehung von Kindheit auf zurHistorie; und vor nicht langem, durch die Historiezum Glauben; dieses wird allen klar werden,wenn ich meine Vorstellung der Universalhistorievollenden kann: Seele hatte hin und wieder schon,was ich Ihnen vorlas, künftighin wird es auchGeist- haben, aber nicht esprit;, sondern n^v^a.
Ich würde Ihnen über dieses alles viel früher 'geschrieben haben, wenn ich nicht mehrere Wochengänzlich verloren hätte: ich nenne die Zeit ver-loren, in der mein Geist nicht fortschreitet. Letz-teres that er darum nicht, weil viele unangenehmeSeiten meiner hiesigen Lage mich in solche Trau-rigkeit brachten, daß ich aller Arbeit, auch des3. v, Müllers fammtl, Werke- XXXYII, 19