290
Johannes von Müller Bkiese.
Lesens unfähig wurde, und zusehends abnahm.Die Hauptursache war, weil mir der Landgraf sowenig Besoldung gibt, daß ich mich deßwegen inbeständigen Verdrießlichkeiten befinde, und weil ichdoch zu viele Zeit ihm und andern, die um ihnsind, aufopfern muß, als daß ich meine Kenntnissegenugsam vermehren, oder dem Publicum nützlichmachen könnte: welchem darum schwer zu helfen,weil ich zwar viele auswärtige Verbindungenhabe, deren aber die besten das nicht können, wassie wünschen, und andere das, was sie konnten,vernachlässigen zu thun. Diesen Betrachtungenauszuweichen,' suchte ich mich zu Geismar, wo Ge-sellschaft ist, einigermaßen zu zerstreuen; dieseshat nicht mehr, noch weniger geholfen, als eineZerstreuung vermag. Wenn Tronchin nicht amFuß der Pyrenäen wäre, so wäre ich bei ihm.Den Ausgang von allem erwarte ich nun geduldig,da ich mir bewußt bin, daß ich jede bessere Lagezu Entwicklung und guter Anwendung der Kräftemeines Geistes anwenden würde, und also dieganze Sache nicht mehr meine, als die der Vor-sehung ist, welche alles Gute will, und mir leichteinen glücklichthätigen Freund erwecken kann.Daraus aber sehen Sie die Ursache meines lan-gen Stillschweigens.
Die gleisen der Päpste haben sowohl demPapst wohl gefallen, als im Cardinals-CollegiumAufsehen erregt, und wich zu mehreren Briefen überdie gegenwärtigen Geschäfte veranlaßt. Pius VIscheint in tiefe Gedanken gesenkt: ihre Natur weißniemand, nur daß er nach Deutschland wichtigeBreve bereitet; weßwegen auch das Consistoriumauf den September verschoben worden. Vvm Kaiserhat er mit Wechselsweiser Unzufriedenheit Abschredgenommen. Seine Sache ist verloren, wenn er