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Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
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304 Johannes von Mutter Briefe.

müthig war dar Abschied, obwohl ohne Thräne»,weil wir einer des andern sicher sind. Von da nachBern, das reich bebaute Aargau hinauf. Den er-sten Augenblick bei Bonstetten überlasse ich IhremMerzen zu fühlen. Hierauf war ich einige Tage beiihm und sah fast niemand als ihn. Wir lasen vielvon der neuen Schweizergeschichte, mehr aber spra-chen wir von Lebensplanen, von der Tochter desHimmels, der Freundschaft, von ihrem unersetzli-chen Werth, von Europa und Friedrichs Grenadier,dessen bester Freunde einer dieser Bonstetten ist,welchen er nie gesehen. Wir kamen zusammen bisnach Aventicum, und umgingen die Trümmer deralten helvetischen Hauptstadt, welche einen zwölfmalgrößern Umfang, als nun Bern, gehabt habenmuß, und mitspielen Palästen, Thürmen, Tem-peln, Theatern, amphitheatralisch über den Seevon Murten die Hügel hinan sich erhob. Hierverließ ich Bonstetten, wie ich Gleim verlassen habe,nur dem Körper nach, sehr empfindlich selbst hier-über. Bei Lausanne stellte sich in voller Pracht jenesWasser mir wieder dar, von dem Voltaire billigsagte; mon lac ost le premier des lacs. Vonhier, dem Ufer nach, unter mancherlei Gemüths-bewegungen in das beruhigte Genf. Bei Tronchinschien ich immer gewesen zu seyn, und bei Bonnetsepn zu sollen. Ganz ungezwungen fand ich michwieder zn Hause, als wenn ich gestern ausgegangenwäre. Von allen, die ich noch gesprochen, bin ichals derjenige empfangen worden, welcher bei allenVeränderungen dieser Stadt immer den Besten dieRegierung gewünscht. Genf hat alle Freiheit, wel-che es zu ertragen vermochte; überall herrscht einGefühl der Sicherheit. Mühe muß es freilich Eini-gen kosten, stch des Aufruhrs abzugewöhnen; dochbin ich durch vieles bewogen, zu glauben, daß die