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Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
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328 Johannes von Müller Briefe.

der erschienen, den ich allezeit geliebt, und suchte;und wo war er denn, daß er die Stimme meinesHerzens nicht hörte? Das wollen wir nicht fragenin der Freude -es Wiederfindens:' genug, meineLiebe war immer mit ihm, und ich sehe, daß ichihm auch nicht fremd geworden; so ganz Er, wie ,an der Holtemme, steht er vor mir in dem schönenBriefchen aus Dohms Hause. Kurz und gut. Müllerindessen

opéra multa

kertulit, aàvorsis rerum iminerssbll>8 unclis,also, daß er auch ganz vergnügt herausgeschwommen,

. und ihm nur sein Vater Gleim fehlte, dem er alleshätte mögen erzählen. Geblieben bin ich zu Genf,hauptsächlich bewogen durch den Greis Tronchin,und, weil das Herz gemeiniglich in solchen Fallenbei dem Verstand eine Entschuldigung sucht, fandich klug, eine in sechs oder sieben Jahren bevor-stehende gewisse unabhängige Rente dem Einkom-men meiner Casselschen Bedienung vorzuziehen. Ichbedachte aber nicht genug, daß, da ich indessen auchleben mußte, diese Jahre verloren gingen, theilsüber dem Gesellschaftleisten, theils über Arbeiten,durch die ich für meine Bedürfnisse sorgte, wodurcherfolgte, daß zur Geschichte der Schweizer in den-selben achtzehn Monaten fünf Seiten und nicht mehrzu Stande gekommen. Dieses bewog mich, eherdie Rente, als die Anwendung des Frühlings mei-ner Jahre, in die Schanze zu schlagen. Also begabich mich nach Valeires, wo der ganze Winter des *vorigen Jahres buchstäblichst einsam mit so großemNutzen zugebracht worden, daß ein ganzer nichtkleiner Band von der Schweizerhistorie ausgear-beitet wurde; ich selbst aber, äußerst vergnügt, je-den Abend alle Tageslast mit Horaz und Boccaz,auch Metastasio (Deutsche hatte'ich nicht) vergaß.