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Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
Seite
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Johannes von Müller Briefe. ZLS

Den April gab ich Bonnet; wir wollten Hallerswichtigen Briefwechsel mit ihm herausgeben, undendlich würde man Hallern ganz kennen gelernthaben; es ist aber unterblieben, weil ein zu Pariswohnender Sohn, Haller der Banquier, ohne denes Bonnet nicht thun wollte, fand, Haller könntebei der dominirenden Secte -n Paris hierbei ver-lieren. Hierauf las ich zu Ölten meinen Landleu-ten den Anfang ihrer Historie vor. Von da rißmich ein Anfall Vaterstadts - Liebe nach meinemSchaffhausen; ich würde auch noch da seyn, hatteaber das vielleicht zu stolze Gefühl, daß, da jederthun kann, was dort ich, ich dem Trieb nach demöffentlichen Leben und größerm Wirkungskreise fol-gen soll. Ich ließ mich also von Bonftetten aufeine Reise laden, und eilte, in Luzern ihn zu fin-den. Von da nach Zug, wo Zurlauben, so altund hochadelig, als so ein großer Gelehrter in derDiplomatik, mir noch lieber wurde durch seinemittheilende Güte und verständige Politik. ZuZürich wurde ich empfangen, als wenn ich sie niebeleidigt hatte; bewirthet mit wichtigen Manu-scripten, gewonnen durch vortrefflichen Umgang.Da wurde mit Hirzel und Geßner viel von Tpr-täus Gleim und viel vom Sänger des Frühlings,lehrreich und mit würdiger Liebe und Erinnerung,gesagt, gierig aber von mir verschlungen, und indas Herz cingegraben. Von Zürich durch histori-sche Gegenden, der alten Bonstetten Herrschaften,das Habsburgische Murr, Beronmünsters tausend-jährige Mauern, manch schönes, frohes, glückli-ches Thal heraus.

Wo Uechtlands Haupt, in »verstiegnen Wällen

Und stolzer Freiheit, fürstlich ruht! ®)

Haller.