330 Johannes von Müller Briefe.
Und nun lebte ich diesen Winter über so ganz gut/wenn nur Haller den Verstand gehabt hatte, inseinem Vern 48stündige Tage einzuführen. So,da ich zugleich zum dritten Theil der Schweizerhi-storie noch dritthalbhundert Seiten in zwei Mo-naten auszuarbeiten habe, und vielen Edlen zugefallen, mein französisches Werk über die allge-meine Historie deutsch und mit schweizerisch-preu-ßischen Reflerione» beseelt, schreibe und vorlese, soeinsiedlerisch ich meist lebe, ich doch bald nicht weiß,was anzufangen, um in keiner Sache die Erwar-tung jemandes zu betrügen. Mein Plan aus denSommer ist nur im Himmel bekannt. Nach die-sen drei Theilen konnte ich Größeres unternehmen.— Ich fühle für die kommenden Zeiten, für Eu-ropa, Ihr und mein Land, was entstehen würde,wenn es der Union *) mißglückte: ich denke, je-'der Mann von Geist und Muth sollte arbeiten,die öffentliche Meinung mehr und mehr für dieGrundsätze dieses großen Bundes zu gewinnen.Man verwirrt, verdunkelt der Fürsten und StändeRechte und Interessen: ich mochte das Gegengiftverarbeiten, und für Ihres Friedrichs Proposi-tionen, durch starke Darstellung, was Deutschlandwar, ist, werden könnte, und bleiben soll, die Ge-müther bereiten.
') Der Fürstenbund nahm seinen Anfang.
Gedruckt: Augsburg, in der Buch bruckcrei derI. G. Cotta'scheu Buchhandlung.