Filippo Brmielleschi. 53
die alterthümliche Architektur gerathen, wer endlich die Neu-heit eines Gewölbes von solcher Höhe und von solchem Durch-messer bedenkt, daß seine Größe seitdem noch nicht übertreffenworden, wird sich nicht über die Geringfügigkeit oder Lächer-lichkeit der Projekte wundern, die in dieser zahlreichen Ver-sammlung zum Vorschein kamen; es war, als wenn man sichan Unwissenheit und Wunderbarkeit überbieten wollte. DieEinen machten den Vorschlag, Pfeiler aufzurichten, vonwelchen Bogen ausgingen, bestimmt, das Zimmerwerk zutragen, worauf die Last der Kuppel ruhen sollte. Andere rie-chen, einen großen Pfeiler in der Mitte zu errichten, welcherden Fuß der Kreuzgewölbe tragen und dem Dom die Formeines Zeltes geben würde. Einige endlich wußten nichts Besse-res vorzuschlagen, als einen Berg von Erde aufzuthürmen,welcher dem ganzen Bau zum Gerüste dienen sollte. In dieseErde sollte man eine große Anzahl Münzen werfen. Sobalddas Werk vollendet, könnte man sich, hinsichtlich der Sorgefür das Verschwinden und die Wegnahme des Gerüsteö, aufdie Geldgier der Menge verlassen.
Brunelleschi hatte nicht vorhergesehen, daß das wahre Wissenvor einem Tribunale von Unwissenden, die sich selbst verdam-men würden, wenn sie ihm Gerechtigkeit widerfahren ließen,nothwendig seine Sache verlieren müßte. Er überzeugte sichaber davon, sobald er sein Projekt vorlegte. Man machte sichlustig über ihn, als man seinen Vorschlag vernahm, eineKuppel von 290 Fuß Höhe und 130 Fuß im Durchmesseraufzuführen. Man begriff ihn nicht, als er sagte, daß erzwei Kuppeln, Eine über die Andere aufführen werde, so,daß zwischen beiden ein ziemlich großer leerer Raum bliebe.Aber man schalt und behandelte ihn laut als einen Unsin-nigen, als er bestätigte, daß er um diese unermeßlichen Kuppelnzu wölben, durchaus keiner Stütze oder innerer Form vonZimmerwerk bedürfe.