68 Michelozzo.
Eine solche Construktionsart wird, in jenem Grade vonStärke und Dauerhaftigkeit, nothwendig kostspielig und istdeswegen allein schon ein Gegenstand des Luxus. Diese Be-trachtung, zu welcher sich noch das Ehrgefühl gesellte, dassich an die Fortdauer der Familien knüpfte, deren Wohnungenals häusliche Denkmäler betrachtet wurden, mußte nicht nurden Geschmack der Bossage begünstigen und fortpflanzen, son-dern auch die Anwendung der Säulenordnungen und Ver-zierungen der alterthümlichen Architektur in der Erfindung derPaläste verzögern.
Auch sehen wir, daß Brunelleschi , obgleich er der Wieder-hersteller dieser Architektur war, in der großen äußern Massedes Palastes Pitti nur den Geschmack fortgepflanzt, den ereingeführt gefunden. Erst nach und nach sah man denselbenetwas von seinem Ernste verlieren und sich gefällig mit allenCombinationen der Säulenordnungen vermischen, welche derGeist der Mannigfaltigkeit darin einzuführen für gut fand.Und bereits kann man in den Fayaden der Paläste Riccardiund Strozzi bemerken, daß die Schwerfälligkeit und Eintönigkeitdes Palastes Pitti einem gefälligern Style gewichen, in welchemdie Schattirungen des Tons die strenge Einförmigkeit des fort-währenden und ausschließlichen Gebrauchs der Bossage, nachVerhältniß der Stockwerke vermindern. Dieß bemerkt man vorAllem an dem Palaste Medicis oder Riccardi , einem WerkeMichelozzo's .
Bevor er die Schule Brunelleschi's besuchte, hatte Miche lozzo zunächst die Bildhauerei in jener des Donatello studirt,und sich fast auf alle Theile der Zeichenkunst verlegt; auchmachte er sich in allen Künsten geschickt. Aber Eine derselbensollte über die Anderen die Oberhand erhalten, und dieß wardie Baukunst, für die er sich endlich vorzugsweise entschied.Bald nahm man wahr, daß Brunelleschi seinen Nachfolgergefunden.