Leon Batist« Alberti.
85
Zu den Sehenswürdigkeiten von Florenz und zu den bes-seren Werken Leon Batista Alberti's zählt man den Chor unddie Emporkirche in der Kirche Mariä-Verkündigung, in Formeiner Rotunde, deren Gewölbe, gleich jenem des Pantheonszu Rom , von Balthasar Franceschini, il Volterrauo genannt,sl kreseo gemalt war. Der Architekt brachte in dem Umfangedieser Rotunde neun Kapellen in Vertiefungen an, welche ausneun Bogen gebildet werden, die eben so viele Nischen sind.Man kennt den Effekt, welchen Einfassungen von Bogen her-vorbringen, die in einer Kuppel beschrieben sind: von derSeite gesehen, erscheinen sie schief und außer der senkrechtenRichtung. Vasari hat Alberti hierüber getadelt, obgleich erdem Gebäude große Schönheiten zugesteht. Es ist indessenschwer zu glauben, daß dieß von Seiten Alberti's Mangel anErfahrung gewesen; es ist vielmehr eine jener Wirkungen derPerspektive, die, wenn man will, von einem gewissen Punkteaus das Auge beleidigt, welches aber dasselbe bald wieder ver-bessern lernt. Es mag übrigens wohl seyn, daß es bei ähnlichenAnordnungen besser ist, bei den Bogen die Glieder wegzulassen,welche zu dem hier fraglichen optischen Mißstande Anlaß geben.
Ludwig von Gonzaga, Marquis von Mantua , hatte indem Werke der Kirche Mariä-Verkündigung einen Versuchmit den Talenten Alberti's gemacht. Er wollte sich seiner zurZierde seiner Stadt ganz bemächtigen, und nahm ihn mit nachMantua , um dort eine Schule der Architektur zu errichten.Endlich gegen das Jahr 1472 beauftragte er ihn, ihm dasModell einer, dem heiligen Andreas gewidmeten Kirche zumachen. Die Ausführung dieses Modells vertraute Albertieinem gewissen Luca von Florenz, einem sehr verständigenKünstler an, dessen sich der Architekt zu rühmen hatte, da erden verschiedenen Construktionen, die ihm aufgetragen wurden,nicht allenthalben persönlich vorstehen konnte. Man hat bemer-ken wollen, daß er auch sehr glücklich gewesen, zur Leitung