116
Bramante.
daö Nämliche auch hinsichtlich der Ausführung glauben, wennVasari uns nicht belehrte, daß Raphael, der Erbe seinerProjekte, ein neues hölzernes Modell dieses Hofes verfertigt,nach welchem die Logen noch reichere Construktionen erhielten,als ihnen der erste Urheber gegeben haben würde.
Man bemerkt noch in der 8trafis .lulle», welche Julius II. von Bramante durchbrechen und nach dem Winkel richten ließ,einige Spuren eines großen Palastes, zu welchem dieser Archi-tekt den Entwurf gemacht, und welcher der Hauptsitz derVerwaltung werden sollte. Das Gebäude blieb bei den Grund-lagen. Was man aber von einigen Theilen seines Untersatzessehen kann, verkündigt, daß dieses Denkmal eines der größten inRom geworden wäre, denn Julius II. projektirte nicht im Kleinen.
Bramante hat bewiesen, daß er nicht immer großer Pro-jekte bedurfte, um Großes zu leisten. Sein kleiner zirkelrunderTempel von 8an kietro in I>Ioutorio ist hinsichtlich seinerGröße eines der kleinsten Baudenkmale, die es gibt, abersicher das vollkommenste. Er nimmt die Mitte des Kreuz-ganges des Klosters von 8sn kietro in Alontorio ein. Aberdieser Kreuzgang sollte nach dem Plan Bramante's etwasganz Anderes werden, als was er ist. Er sollte einen zirkelför-migen Kreis von Säulenlauben gestützt auf frei stehenden Säulenbilden, vier Eingangspforten, vier Kapellen und zwischen jederKapelle und jedem Thore eine Nische erhalten. Das Ganzewürde einfach und doch zugleich mannigfaltig gewesen seyn.Die Kritik hat sich über einige Details des kleinen rundenTempels aufgehalten. Der Einfassung der Pforte hat manvorgeworfen, daß sie in die beiden neben ihr befindlichenPilaster eingreife, der Attika, daß sie ein wenig zu hoch,der äußersten Verzierung, daß sie zu schwer sei. Aber solcheFehler rügt man nur an guten Werken; es ist keiner Archi-tektur gegeben, davon befreit zu seyn, weil die absolute Voll-kommenheit keinem Künstler gegeben ist.