Band 
Zweiten Theiles Zweiter Band.
Seite
393
JPEG-Download
 

393

der Nationalgarde schilderte, um zwischen den Soldaten so vieler Mächte,Volker und Zungen, und der reizbaren Pariser Bevölkerung, die zumWiderstände geneigt sei, ohne dessen Folgen zu bedenken, Reibungen zuverhüten: wandte sich der Kaiser an den Chef der Pariser Nationalgarde,und fragte, ob er sich auf dieselbe verlassen könne. Die Antwort war, daßer sich auf sie in Allem, was Männern von Ehre gezieme, durchaus vcr,lassen möge. Alexander entgcgnctc, daß es keiner weiteren Bürgschaftbedürfe, und so war denn die Beibehaltung der Nationalgarde, die übrigensden Verbündeten nicht minder nützlich war als der Stadt Paris selbst,ausgesprochen. Die Deputation kehrte nach Paris, als schon die ersteMorgenröthe aufdämmerte, zurück, wahrscheinlich mit dem Gefühle, daßAlexander jetzt der Schiedshcrr der Geschicke Frankreichs sei, wie er diesin der That war.

Während am 30. ein Reich für die Bourbonen gewonnen, fürNapoleon verloren wurde, war seine Hauptarmce im Marsche nachTroycs begriffen, und sollte nach den Befehlen, die er in dieser Stadterlassen, am 2 . April, verstärkt durch die Division Souham, vor Pariseintreffen. Die Garde war die ganze Nacht zum 30. marschirt, machte,ermattet von so außerordentlichen Anstrengungen, zu Villcncuve-l'Archcvcqucfür einige Stunden Halt, und ging dann weiter nach Scns. Napoleonhatte sich von seiner Dicnstschwadron bis Villcncuvc-la.'Guyard geleitenlassen, von da aber ritt er ohne Bedeckung, mit Bcrthicr, Caulaincourt,.Flahault, Gourgaud, Drouot und einigen Ordonnanzoffizieren imGallop bis Fontaincblcau *). Hier warf er sich mit Bcrthicr undCaulaincourt in Wägen, und fuhr auf der Straße von Paris, diePostillone selbst zur Eile antreibend. Auf dem Wege hatte er den fernenDonner der Entscheidungsschlacht vernommen: seit Stunden schon warderselbe wieder verstummt, und Napoleon hoffte, zeitig genug in Pariseinzutreffen. Dort wollte er die Einwohner zum Widerstände befeuern*'),und hielt dann Paris sich nur sechsunddrcißig Stunden, so war sein Heer

Sciiels (österreichische Militairzeitschrift von 1840, III. 312) läßt Napoleonvon Villeneuvc-Ia-Guvard nach Scns fahren. Dies scheint auf einem, durch dievielen Villeneuves, die es in Frankreich giebt, veranlaßten Schreibfehler zu beruhen,denn Major Schels hat bewiesen, daß er die Geographie Frankreichs zu genau kenne,um nicht zu wissen, Laß Napoleon, wenn er von Villencuve-la-Guvard nach Scnsgegangen wäre, sich Paris nicht genähert, sondern davon entfernt haben würde.

") Ein Aufruf an die arbeitenden Classen der Bevölkerung, von denen „vierFünfthcile," wie es in der Napoleon so feindseligen Schrift 0,mp»gne >1« p-ris en1814, S. 83, heißt, „gedient hatten," und das persönliche Erscheinen Napoleonsmöchten eine außerordentliche Wirkung auf das Volk hervorgebracht haben. Nichteinmal der ganzen Nationalgarde hatte Clarkc Waffen geben lassen, noch viel wenigerden Arbeitern und Handwerkern, welche sie verlangten. „Man ließ," heißt es injener Schrift, „einen dieser Haufen auf dem Vendomeplahc von fünf Uhr des Morgensbis neun Uhr warten, und dann erst bot man diesen freiwillig gekommenen MännernPiken an, um in das Feuer zu gehen. Sie entfernten sich, indem sie fast alle überVerrath schrieen. Viele eilten ohne Waffen aus den Barrieren, in der Hoffnung,auf dem Schlachtfelde deren zu finden. Kurz, die Hauptstadt, welcher dieTruppen nachher so bittere Vorwürfe gemacht haben, zeigte sichzur kräftigsten Vertheidigung geneigt, Alles ging aber in Pari«zu, als hätte man nicht gewollt, daß es sich vertheidige." Da« sagt,was wohl zu bemerken, ein« bourbenistischc Schrift-