Band 
Erster Band.
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136 Raphael Sanzio .

man nothwendig ein in der Zeichnung dieser Kunst und inder Wissenschaft der Perspektive schon vollendetes Talent aner-kennen muß. Fast den ganzen Hintergrund dieses Gemäldesfüllt ein sehr schöner zirkelrunder, mit Säulen umgebenerTempel aus. Der Styl, die Formen und die Details ver-binden mit den Schwierigkeiten der Composition eine solcheRichtigkeit in der Ausführung, daß Vasari stch nicht enthaltenkonnte, das Talent zu bewundern, das sich eine solche Arbeitzur Aufgabe gemacht: eosa mirakile s vollere 1e llisiicoltaclre anllava eereanllo (es ist wunderbar, die Schwierigkeit zusehen, die er aufgesucht :c.). Uebrigens darf man nicht glau-'ben, daß Raphael hierin etwa seine Zuflucht zu der geübtenHand eines Andern genommen. Denn wir sehen ihn, nochsehr jung, bevor er nach Rom ging, in Florenz mit FraBartolomeo einen Austausch der Kenntnisse treffen und ihndie Praris der Perspektive lehren.

Das zweite Gemälde, welches er zu Rom in den Sälendes Vatikans machte, die Schule von Athen , stellt in seinemHintergründe eine architektoniscbe Composition von eben so edlerErfindung als reiner Ausführung dar. Wenn Etwas die vonVasari zuerst geäußerte Meinung, daß Bramante dem Raphaeldiese Perspektive vorgezeichnet, zu unterstützen vermocht, so istes die Aehnlichkeit dieses Gesammtganzen mit dem Plane derSt. Peterskirche. In der That sieht man hier eine Kuppelauf Pfeilern in der Mitte von vier Schiffen, deren Plan,bekanntlich,von Bramante, den Raphael allerdings zur Nach-ahmung könnte eingeladen haben.

Es scheint uns, daß nie ein Maler weniger nöthig hatte,von einem Andern die Composition und die Ausführung jenerNcbengegens^ände der Gemälde zu entlehnen, welche die Ma-lerei dem Genius der Architektur verdankt. Man kann sichhierin zum Beweise auf alle Frescogemälde Raphaels im Va-tikan und auf die Hintergründe seiner berühmten Cartons