Antonio Sän Gallo. 175
als in vielen anderen, der Luxus des Putzes zu oft nur derDeckmantel der Armuth sei.
Dieser kleine Palast ist ein klassisches Werk für die Archi-tekten. Thür- und Fenstereinfassungen, Profile der Gesimse,Details der Ausführung: Alles ist hier in dem schönen Styledes goldenen Zeitalters der neuern Architektur. Indessen findetman mit einigem Grunde, daß man den Säulen des dorischenThores, so wie jenen der Säulenlauben des Hofes, zu hohePiedestale gegeben.
Verschiedene andere, mehr oder weniger beträchtliche Pa-läste, welche gegenwärtig nicht leicht mehr mit ihren Namenzu bezeichnen sind, beschäftigten Sän Gallo zu Rom und inseiner Umgegend und vermehrten seinen Ruhm wie sein Ver-mögen.
Nachdem Bramante gestorben, gab ihm Leo X . Raphaelzu seinem Nachfolger am Bau der St. Peterskirchc. Diesemwurde bald darauf Giocondo beigeordnet; dann folgte Giu-liano da Sän Gallo. Aber Giocondo verließ Rom und Giu-liano da Sän Gallo fand sich durch seine Gebrechlichkeitengenöthigt, nach Florenz zurückzukehren. Niemand hatte nun mehrAnsprüche, als Anton Sän Gallo, eine Stelle anzunehmen, dieihn zum Nachfolger seines Oheims und seines Lehrers machte.Auch kostete es dem Kardinal Farnese wenig Mühe, bei Leo X .seine Ernennung zu derselben zu bewirken. Indessen machte derBau der St. Peterskirche unter seiner Leitung wenig Fort-schritte. Er verstärkte die Fundamente und die Pfeiler Bra-mante's; aber alle Kosten vergruben sich in die Erde. Diezahlreiche Folgenreihe von Architekten, welche die Umständeverursacht, hatte die Projekte außerordentlich vervielfältigt.Jeder machte ein neues Modell, welches nur dazu beitrug,die Unentschiedenhcit noch zu vermehren. Wir werden weiterunten von dem großen Modelle Sän Gallo's sprechen, wel-ches, so prächtig es auch war, die Meinung nicht für sich zu